WlKeröewegungen in MafriKa^).
Wohin immer wir unsere Blicke wenden durch Ostafrika, da sehen wir Bewegung, Wanderung, Kampf zwischen Eingesessenen und neuen Ankömmlingen, neue Wanderungen der Verdrängten. Besonders reichhaltige Beobachtungen über diese Thatsachen hat in den letztvergangenen Iahren in Ostafrika der zu früh verstorbene Brenner angestellt. In der Region der Schneegebirge Ostafrikas wie in den unabsehbaren Ebenen des Galla- und Somalilandes scheint der Trieb nach Veränderung im Völkerleben in besonders heftigen Schlägen zu pulsieren. Die Masai, an sich bereits ein wanderndes Hirtenvolk, sind mit Weib und Kind bis an den Sabaki vorgedrungen, und die Araber an der Suahiliküste sind nicht mehr sicher vor ihren Überfällen, die ehedem nur ihre Karawanen im Binnenlande bedrohten. Die Wa- boni, welche vom rechten auf das linke Ufer des Sabaki übersetzten, leben als fremder, vertriebener Stamm unter den Barrarattagalla. Die Wadoe, welche unsere neuesten Afrikakarten nah an der Sansibarküste aufweisen, leben jetzt in nördlicheren Distrikten, in Horven geteilt, unter den Galla, sie als ihre Herren anerkennend.
Anderseits findet gleichzeitig eine von Norden nach Süden drängende Bewegung statt. Die berittenen Galla, welche niemals vorher den Äquator überschritten hatten, erschienen am Dana, und Brenner erblickt in den langgestreckten Prärieen des Dschubaflusses die Spuren ihres verheerenden Zuges nach den neuen Wohnsitzen, nordwestlich
*) Hermann v. Barth, Ostasnka. Leipzig 1875. S. 508ff.