Einige bisher weniger hervorgehobene Gesichtspunkte inbetreff des
afrikanischen Sklavenhandels
und der Versuche, ihn ;u unterdrücken*).
Es ist nicht richtig, anzunehmen, daß überall in Afrika Sklavenhandel vorkommt. Unter den Herero, unter welchen ich als Missionär gearbeitet habe, ist derselbe ebenso unbekannt wie bei uns. Dagegen ist es allerdings eine Besonderheit der afrikanischen Verhältnisse, daß jeder Mensch irgendjemand gehört, der über ihn disponiert und dem er Gehorsam schuldig ist. Aber dieses Verhältnis ist nicht Sklaverei in unserem Sinne, sondern ein patriarchalisches. Der Herr hat nicht bloß Rechte, sondern auch Pflichten. Wenn er von dem Untergebenen Gehorsam verlangt, so muß er demselben auch Schutz gewähren, und der Sklave dachte, wenn er seinem harten Herrn entlief, nie daran, frei zu werden, sondern eben nur einen besseren Herrn zu finden, bei dem er sich mehr als Familienglied fühlen konnte. Nur hier und da mögen in Notzeiten Leute, die man nicht ernähren konnte, an Fremde abgegeben oder Verbrecher über die Grenze verkauft sein.
*) Aus einem Vortrage, den einer der berühmtesten Afrikakenner, Missionsinspektor C. G. Büttner, im Zentralverein für Handelsgeographie im November 1888 gehalten hat und der vollständig im „Export" Nr. SO steht. B, hat dazu besonders die sogen, englischen Bluebooks benutzt, die auch manche Aktenstücke über den Sklavenhandel in Ostasrika enthalten. Der nachstehende orientierende Auszug ist den höchst nützlichen „Nachrichten aus der ostafrikanischen Mission", Dezember 1888, entnommen.