stimmter Glaube herrscht. In solchen, dem Mohammedanismus fernliegenden Ländern werden wohl eher Eingeborene zu sittenstrengem Lebenswandel heranzubilden sein, während die Roheit der großen Volksmasse einer Jahrhunderte langen Arbeit bedarf, ehe man sie als reif für eine höhere geistige Kultur wird betrachten können."
2. Englischer Missionsbetrieb in Ostafrika im Gegensatz zum französischen in Bagamoyo
Eine hervorragende Rolle spielen in Sansibar die Missionen, obgleich ihr eigentliches Wirkungßseld natürlich auf dem Festlande liegt. Da sind es nun wieder die englischen Missionen (Muren ok LnAlanä, ^Vssls^u, Inäoxklläsnt g.nä Roman (Ätnolio), die auch in politischer Beziehung eine hohe Bedeutung beanspruchen. Wenn es eine alte Wahrheit ist, daß die Missionare meist die Vorkämpfer der Kultur, d. h. der Annexionen sind, so haben sich wenigstens die englischen Missionare redlich bemüht, diese Wahrheit zu Ehren zu bringen. Der Anlage ihrer Stationen hat einzig und allein eine eventuelle politische und kommerzielle Wichtigkeit jener Distrikte zur Richtschnur gedient! Denn es ist eine gerade im Gegensatz zu den französischen Missionsstationen doch gar zu ausfällige Thatsache, daß sich englische Niederlassungen nur in jenen Distrikten und an solchen Punkten befinden, die sich jetzt in irgendeiner Beziehung als besonders wertvoll herausstellen. Wenn es noch nötig ist Beispiele dieser Art anzuführen, so sei nur an die verschiedenen Stationen in der Umgegend vom Mombas, dem Schlüssel für den ganzen nördlichen Teil des tropischen Ostafrika, an die Stationen in dem weiter südlich gelegenen fruchtbaren Bezirke von Bondei erinnert. Es befinden sich hier, nur wenige Stunden voneinander getrennt, nicht weniger als vier englische Missionsstationen, die durch die Bedürfnisse nicht im allerenlferntesten gerechtfertigt erscheinen. Aber es
*) vr. K. W. Schmidt, Sansibar, ein ostafrikanisches Kulturbild. Leipzig, Brockhaus, 1883. S. 118 ff.