Geschichtlicher Rückblick. Allgemeine geographische Voraussetzungen.
Die charakteristischen Züge im Antlitz Ostafrikas sind die tiefen Furchen, die lange, meridionale und submeridionale Gräben Hunderte von Kilometern weit durch das Land gezogen haben, und die hohen Stufen, die von steilwandigen, in ähnlicher Richtung verlaufenden, lang ausgedehnten Bruchrändern gebildet werden. Hoch aufgewölbt sind die Randgebirge der tektonischen Gräben, und gewaltige Vulkanbildungen hängen mit den Grabenbrüchen und anderen Dislokationen zusammen. Die scharf markierten Störungslinien fallen uns schon beim flüchtigen Betrachten der Karte ins Auge, die Gräben noch mehr als die Bruchstufen, denn sie bergen auf ihrem Grunde meist Seen: riesige, weithin sich erstreckende Wasserbecken, wie der Tanganjika- und der Njassagraben oder unbedeutendere und meist abflußlose Seen, wie der ostafrikanische Graben. Aber sast ebenso deutlich hebt sich die Stufe zwischen dem inneren Hochland und dem östlichen Tiefland, das ostafrikanische Randgebirge, aus dem Landschaftsbild heraus.
Mit wunderbarer Einfachheit und scharfer Klarheit hat so die Bodenplastik in diesem Teile Afrikas dem Verkehr die Richtlinien vorgezeichnet: Nord-südlich müßten seine Wege führen, wären sie nur vom Bodenrelief abhängig. Es haben sich in dieser Richtung aber keine Verkehrswege herausgebildet — wenn wir die Linien des Handelsverkehrs darunter verstehen. Dafür bewegten sich jahrhundertelang ganze Völkerwanderungen zwischen der Küste und dem Zentralafrikanischen Graben von Nord nach Süd (22, i63f, mit Karte), von Norden her einwandernde Völker verdrängten eingesesfene oder vernichteten sie. In solchen Zeiten gewaltsamer Völkerverschiebungen konnte sich ein Verkehr, der Güteraustausch zum Zweck hatte, in dieser Richtung nicht entwickeln. Zudem verlangte damals die Wirtschaft der Ostafrikaner keinen Handelsverkehr von größerer Ausdehnung, fondern begnügte sich mit Verkehrsbeziehungen, die über eine lokale Bedeutung, über einen Verkehr von Stamm zu Stamm, nicht hinausgingen (27, 130). Die Schöpfer eines weite Länder umspannenden Verkehrs sind die fremden Kolonisatoren gewesen. Sie ließen jedoch nicht Handelswege entstehen, deren Verlauf dem charakteristischen Aufbau Ostafrikas entspricht, sondern ihre Bahnen kreuzen die von der Natur gegebene Nord-Südrichtung, die mannigfachen Schranken des Geländes an günstigen Stellen querend.