Druckschrift 
Geschichte der Freien Hansestadt Bremen von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Franzosenzeit / Christian Abraham Heineken. Bearb. von Wilhelm Lührs
Entstehung
Seite
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Nachwort'

Diese Schilderung Bremens in dessen letzter Freiheitsepoche ist nichts weniger als für den Druck bestimmt. Ich habe eine zu hohe Vorstellung von den notwendigen Eigenschaften eines Geschichtsschreibers, als daß ich es wagen sollte, mich in deren Reihen einzudrängen. Auch fehlt meinen Jahren bereits das Feuer, das erforderlich ist, um durch eine lebhafte Darstellung und ein blühendes Kolorit die Aufmerk­samkeit der Leser zu gewinnen und zu fesseln. Pflegen doch schon die Geschichte einer einzelnen Stadt und das Eigentümliche, wodurch sie von anderen Gemein­heiten sich unterscheidet, in unseren kosmopolitischen Zeiten ohnehin nur selten einige Leser außer den Mauern der Stadt zu interessieren.

Mein Geschäftskreis gab mir indessen fast täglich Gelegenheit, von der Verfassung unseres Vaterlandes und deren Entstehung sowie von der Veranlassung vieler Schicksale desselben Verschiedenes näher kennenzulernen als andere bloße Zu­schauer. In dem mir anvertrauten Posten erforderte es meine Pflicht, mir vieles zu sammeln, zu bemerken, näher nachzuforschen und in der oft aktiven Rolle das Vorkommende aufzuzeichnen.

Dadurch und durch eine Vorliebe für einheimische Geschichte und Rechte sammelte sich unmerklich ein nicht ganz unbedeutender Vorrat Materialien zu Bremens Geschichte. Diese durchzusehen und zu ordnen, gab der Ruhestand, worin die letzte traurige Katastrophe unserer Vaterstadt auch mich versetzte, nicht nur hin­längliche Muße, sondern diente auch zur Erheiterung in diesen trüben Tagen bei der dadurch desto lebhafteren Rückerinnerung so mancher mit Segen gekrönter Anstrengungen der Bürger Bremens und ihrer Vorgesetzten, durch den Rückblick auf alles das Gute, was Liebe zum Vaterlande erzeugt und befördert hatte. Eben dieses Vergnügen fesselte mich in meiner jetzigen Einsamkeit, wo es der Aufheiterung wahrlich bedarf, vorzüglich an unsere neueste Geschichte. Sei es nun, weil sie wirklich unter die merkwürdigsten Perioden unserer Vaterstadt gehört, weil der folgenreichen Begebenheiten sich so viele aufeinander drängten, weil Bremens Wohlstand und Glanz während derselben ihren höchsten Gipfel erreich­ten, oder aus der hoffentlich verzeihlichen Schwachheit, weil diese Fortschritte fast sämtlich unter meinen Augen geschahen, weil ich selbst von den meisten ein Zeuge war, in der größeren Hälfte dieses Zeitraums einiger aktiven Teilnahme mir schmeicheln durfte.

Aus den einzelnen Bruchstücken ein zusammenhängendes Ganzes der Schicksale Bremens in den letzten sechzig Jahren zu meinem Zeitvertreib zu entwerfen, wurde bald Lieblingsgedanke, und so entstand neben anderen ähnlichen Arbeiten diese Geschichte.

Sie sei meinen Nachkommen gewidmet. Nur sie werden Verschiedenes vielleicht von einigem Interesse finden, was dem Ausländer sehr unbedeutend scheinen möchte. Sie werden es zugleich entschuldigen, wenn einiges, um es recht anschaulich

1 Das Nachwort findet sich in den Abschriften, nicht im Entwurf (vgl. S. 20 ff.) des Werkes.

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