Druckschrift 
Geschichte der Freien Hansestadt Bremen von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Franzosenzeit / Christian Abraham Heineken. Bearb. von Wilhelm Lührs
Entstehung
Seite
444
Einzelbild herunterladen
 

20. Organisationskommission Provisorische Verwaltung Auflösung des Senats

Der Kaiser ernannte nunmehr eine Organisationskommission der drei neuen Departements Oberems, Wesermündungen und Elbmündungen 1 , die sich zu Ham­burg versammeln und unter dem Vorsitz des Prinzen von Eckmühl als künftigem Gouverneur dieser drei Departements aus den Staatsräten Graf Chaban 2 und Ritter Faure 3 mit verschiedenen Staatsratsauditoren als Gehilfen bestehen sollte 4 . Der General Compans verlangte am 27. Dezember, daß ungesäumt einige Sach­kundige an diese gesandt werden möchten, um über die bisherige innere Verfassung Auskunft zu geben, und die Senatoren Dr. Gondela, Smidt, Vollmers und Dr. Horn erhielten diesen Auftrag.

Am 31. Dezember als dem letzten Tage der freien republikanischen Regierung versiegelte der an des Generals Boyer Platz getretene Oberst Luchaire in Gegen­wart der Senatoren Wichelhausen 5 und Lameyer 6 die öffentlichen Kassen, die aber derselbe Offizier am 11. Januar 1811 nach einem Auftrag des Grafen Chaban in Gegenwart des Syndikus Schöne wieder entsiegelte, wogegen die Organisations­kommission eine Anzeige der notwendigen Ausgaben erwartete, um zu deren Aus­zahlung zu autorisieren.

Faure, dessen Anteil an dieser Kommission vorzüglich die Rechtsgegenstände be­traf, verlangte eine kurze Schilderung der Abweichung der bremischen Gesetze von den französischen und welche von jenen man gern beizubehalten wünsche. Schnell wurde diese entworfen, auch von verschiedenen gesetzlichen Einrichtun­gen, z. B. der Gütergemeinschaft, der Erbfolge, dem allgemeinen Pfandrecht, dem Meierrecht usw., ihm die Gründe vorgelegt, warum deren Beibehaltung für Bre­men von hohem Wert sei.

Chaban hingegen, dessen Fach die administrativen Gegenstände waren, sandte gegen die Mitte des Januars den bisherigen Konsul zu Cuxhaven, Staatsrats­auditor Coubertin, nach Bremen, um über die verschiedenen Verwaltungszweige

1 Nordwestdeutschland mit damals gut einer Million Einwohnern wurde in die sog. Hanseatischen Departements der Oberems, der Wesermündungen (mit dem Zentrum Bremen) und der Elbmündungen (mit einem schmalen Korridor, der bei Lübeck- Travemünde die Ostsee erreichte) gegliedert, deren Verwaltung je einem Präfekten unterstand.

2 Louis Francoise Rene Moucbard Graf von Chaban (17571814) erhielt die Ressorts Inneres und Finanzen.

3 Louis Joseph Ritter Faure (17601837) wurde mit der Organisation des Gerichts­wesens beauftragt.

4 Die durch Dekret vom 18. Dezember 1810 für die Hanseatischen Departements eingerichtete Organisations- bzw. Regierungskommission trat am 1. Januar 1811 zusammen. Ihre Aufgabe, die französische Verwaltungsorganisation einzuführen, konnte sie nicht, wie vorgesehen, bis zum 1. Juli, sondern erst mit Ablauf des Jahres erfüllen.

5 Engelbert Wichelhausen (1748-1819), Sohn des Ratsherrn Engelbert Wichelhausen, Kaufmann, wurde 1787 in den Rat gewählt.

6 Johann Matthias Lameyer (17521825), Sohn des Kaufmanns Friedrich Lameyer, Kaufmann und seit 1801 Eltermann, wurde 1809 in den Rat gewählt.

444