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Geschichte der Freien Hansestadt Bremen von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Franzosenzeit / Christian Abraham Heineken. Bearb. von Wilhelm Lührs
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trieb die Not dazu, da das rauhe Futter schon so selten zu werden anfing, daß der Senat zu dem in Bremen unerhörten Mittel schreiten und am 1. Dezember die Ausfuhr des Heues verbieten mußte. Durch welches Verbot, das bis zum 12. Januar des folgenden Jahres unverändert blieb, der bremische Landmann das letzte Mittel verlor, aus seinen Produkten noch einiges bares Geld in der Nachbarschaft zu lösen, dessen er doch bei seinen sonstigen vielen Ausgaben jetzt mehr als jemals bedurfte. Am 20. Oktober marschierte endlich das 1. Infanterieregiment, am 29. aber die Artillerie ab, und der Tarif des Staatsrats Daru kam für die Zukunft wegen der Verpflegung der Truppen in Anwendung.

14. Verhandlungen über die Zukunft der Hansestädte in Hamburg Ihre politische Lage Neue Gesandtschaft nach Paris

Ein noch weit wichtigerer Gegenstand beschäftigte in eben diesem Zeitpunkt die Senate aller drei Hansestädte. Gleich bei seiner Ankunft in Kassel machte der Syndikus Gröning dem dortigen französischen Gesandten Reinhard, dem näm­lichen, der ehemals diesen Posten bei den Hansestädten bekleidete, seinen Besuch und fand gerade den allerglücklichsten Augenblick, denn er erfuhr von Reinhard, daß die künftigen Verhältnisse der Städte und deren dem allgemeinen System anpassenden Verfassungen sich jetzt ihrer Entwicklung näherten, daß sein Kaiser sich nunmehr mit diesem Gegenstand beschäftigen wolle, daß er soeben im Begriff sei, deswegen nach Hamburg zu Bourrienne zu reisen, wohin Bremen einige ein­sichtsvolle Männer zu senden nicht versäumen werde, da man, wie er nicht zweifle, über diese Angelegenheiten und was alles für die Städte wünschenswert sei, schon nachgedacht habe, und daß er seinen Weg über Bremen nehmen wolle. Kaum traf dieser Bericht ein, als auch Reinhard ankam, aus dessen Unter­redungen der Senat Hoffnung schöpfte, daß derselbe jeden Gedanken, der zum Besten der Städte gereichte, gern aufnehmen werde, sobald er dem allgemeinen Kontinentalsystem anpassend sei.

Ihm folgten, nach seiner Abreise nach Hamburg, in wenigen Tagen die Sena­toren Smidt und Vollmers, mit allen benötigten Vollmachten und Instruktionen versehen, zu diesen Überlegungen mit den beiden Gesandten. Lübeck ernannte dazu den Syndikus Curtius, Hamburg den Syndikus Doormann, Syndikus Gries 1 , Senator Bartels 2 und Senator Westphalen 3 . Außer ihnen hatten die Gesandten

1 Dr. Johann Michael Gries (17721827) war seit 1800 hamburgischer Ratssyndikus.

2 Dr. Johann Heinrich Bartels (17611850) wurde 1798 in den Hamburger Rat und 1820 zum Bürgermeister gewählt.

3 Johann Ernst Friedrich Westphalen (17571833) wurde 1809 in den Hamburger Rat gewählt.

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