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Geschichte der Freien Hansestadt Bremen von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Franzosenzeit / Christian Abraham Heineken. Bearb. von Wilhelm Lührs
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die Gegend von Bremerlehe sei. Auf jeden Fall schicke er dem Obersten Ranke, der seine Stelle als Platzkommandant wieder angetreten hatte, die Order, dafür zu sorgen, daß die etwa kommenden dänischen Truppen in dem ehemals Hannover­schen blieben, und mache er ihn für die mindeste Verzögerung in der Ausführung persönlich verantwortlich.

Die Dänen ließen sich aber auch nicht sehen, und jene Order war die einzige Freundschaft, welche die Stadt für ihr Opfer von Reubel erhielt. Denn noch an dem nämlichen Tage kam der westfälische Brigadegeneral Bongars 5 durch Bremen, und bald wurde es bekannt, daß dieser das Kommando der Truppen zu über­nehmen, Reubel dagegen nach Kassel zurückzukommen beordert sei, wohin der­selbe auch mit dem Obersten Lepel am 9. August abreiste, bald nach seiner Ankunft in Kassel jedoch bekanntlich diese Residenz in der Stille verließ 6 und nach England überschiffte, von da er, nach vorher besorgter Veräußerung seiner drei Wechsel an ein Pariser Handelshaus, nach Amerika sich begab.

Glücklicherweise hatte der Senat sich auf Reubels Bericht allein nicht verlassen, sondern auch den Senator Smidt auf das Napoleonsfest 7 vom 15. August nach Hamburg gesandt, wo dieser den Gesandten Bourrienne von dem Ungrund aller Vorwürfe, die Ranke, Lagau, der Chef der Douaniers und der Gendarmen und sogar zwei sich bei Lagau aufhaltende Franzosen, die Gebrüder Lavezari, der Stadt machten, so völlig überzeugte, daß man sich auf dessen Unterstützung einer Recht­fertigungsschrift an den Minister Champagny (jetzt Herzog von Cadore) 8 ver­lassen konnte. Und der ganze Vorgang blieb ohne die gefürchteten weiteren Folgen.

13. Westfälische Besatzung Gesandtschaft nach Kassel

Jetzt kam die Division Reubel nach vergeblicher Verfolgung des Herzogs von Braunschweig am 10. August unter General Bongars nach Bremen zurück, und mit diesem erneuerten sich schon mehrmals erlebte Szenen.

Bereits am 13. August requirierte derselbe die Reparatur aller Strümpfe, Schuhe, Stiefel, Sättel, Gewehre und Lafetten seiner Division, ferner 900 Paar neue Schuhe für das großherzoglich-bergische 5. Infanterieregiment und eine Geldanleihe an dieses sowie an das 1. westfälische Linienregiment, welche beide er anfangs auf 18 000 Franken anschlug, die sich aber nachher durch verschiedene neue Anleihen bis auf 45 650 Franken vermehrten. Ehe diesen Bedürfnissen nicht abgeholfen sei, könnten die Truppen, nach seiner Erklärung, nicht weitergehen, ja, er werde noch

5 Jean Francois Marie Graf von Bongars (Bongard) (17581833), westfälischer, später französischer General.

6 König Jerome Bonaparte hatte General Reubel auf Drängen seiner Umgebung am 5. August 1809 wegen militärischer Unfähigkeit abgesetzt.

7 Feier zu Ehren Napoleons, der am 15. August 1809 sein 40. Lebensjahr vollendete.

8 Jean Baptiste Nompere de Champagny (seit 1809:) Herzog von Cadore (1756 bis 1834) war von 1807 bis 1811 französischer Außenminister.

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