Druckschrift 
Geschichte der Freien Hansestadt Bremen von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Franzosenzeit / Christian Abraham Heineken. Bearb. von Wilhelm Lührs
Entstehung
Seite
418
Einzelbild herunterladen
 

Stunden anhielt. Auch erfuhr man bald, daß der Nachzug der Truppen des Herzogs mit der ihm nunmehr nachgekommenen westfälischen Division in der Gegend von Varrelgraben, jenseits des Mühlenbachs 7 , ins Handgemenge gekom­men sei. Von der weit überlegenen Anzahl der Westfalen konnte man sich nur den Sieg versprechen. Dann aber war auch der Rückzug der Besiegten auf Bremen und deren Verfolgung durch die Sieger zu fürchten. Eine Besorgnis, die sich durch mehrere nach und nach vor dem verschlossenen Hohentor ankommende Ver­sprengte des herzoglichen Korps vergrößerte, deren keiner zwar von dem Ausgang etwas Zuverlässiges wußte, die aber alle, einige zwanzig an der Zahl, schnell ein­gelassen zu werden baten, und die man lieber ohne Aufenthalt durch die Stadt führen als vor dem Tor sich anhäufen ließ, da sie dann fast sämtlich ihren Weg nach Vegesack nahmen.

Unter bangen Ahnungen verfloß so die Nacht, bis der Senat, der seit der Ankunft des Obersten Lepel seine Sitzung für permanent erklärt hatte, mit dem An­bruch des anderen Morgens die Nachricht einzog, daß eben die aus Bremen ge­kommenen Braunschweiger es vorzüglich gewesen wären, die sich mit den West­falen geschlagen hätten, daß letztere das Korps des Herzogs, obschon dasselbe statt der künstlich ausgesprengten Größe nicht aus 2000 Mann bestand, ruhig hätten weiterziehen lassen, daß sie zu dessen weiterer Verfolgung sich erst einen Tag in Bremen ausruhen würden und das bis zuletzt vor dem Hohentor geblie­bene Kommando während der Nacht nach Lankenau zurückgekommen, in der Morgendämmerung auf einem zufällig vorgefundenen Kahn dem Herzog unge­hindert, bloß mit Zurücklassung einer einzigen, in einen Graben gestürzten kleinen Kanone, nachgefolgt wäre, daß der Herzog selbst aber sich mit seinen Truppen in Elsfleth einschiffe, wobei er sich der dort von ungefähr angetroffenen bremischen Schiffe der Kapitäne Herklotz 8 und Hillers 9 bediene.

12. General Reubel in Bremen

Nunmehr kam gegen Mittag, den 7. August, die Division Reubel, etwas über 4000 Mann stark, endlich in Bremen an, unter welcher sich ein Kürassierregiment und ein Infanterieregiment des Großherzogs von Berg befanden. Die Division Gratien hingegen hatte noch während des Marsches Order bekommen, sich schnell nach Holland zu wenden, wo man gegen die Engländer, die auf Seeland landeten, noch nichts weniger als hinlänglich gerüstet war, und dieser Erfolg zeigte, wie wenig Bremen sich bei dem verlangten Widerstand auf die so bestimmt verspro­chene baldige Hilfe der beiden Divisionen hätte verlassen können. Was man hin-

7 Mühlenbach: die heutige Varreler Bäke.

8 In Bremen waren zwei Kapitäne dieses Namens beheimatet: Gerhard Herklotz (1767-1834) und sein Vetter Johann Michael Herklotz (ca. 1775-1840).

9 Everhard (Eberhard) Hillers (1771-1824), Sohn des Seeschiffers Everd Hillers, Kapitän.

418