11. Annäherung des Herzogs von Braunsenweig-Oels —
Verteidigungsmaßnahmen — Aufenthalt der Schwarzen Legion in der Stadt
Man konnte sich freuen, mit dieser Verbesserung fertig zu sein, denn nur zu bald trat der Fall wieder ein, von ihr Gebrauch machen zu müssen. Eine Gefahr zog sich über Bremen zusammen, die in ihrer Art bis dahin noch niemals größer gewesen war.
Die Nachrichten von dem am 11. Juli geschlossenen Stillstand der französischen und österreichischen Waffen verkündeten zugleich, daß der Herzog von Braun- schweig-Oels 1 keinen Anteil daran nehmen wolle, sondern mit seinem Korps, welches das Gerücht auf mehrere tausend Mann schätzte, aus Böhmen über Eger nach Sachsen ziehen werde. Wohin alsdann seine Absicht gerichtet sei, blieb so rätselhaft wie seine wahre Stärke. Einige glaubten, er werde sich nach dem von Truppen entblößten Holland wenden; anderen schien eine Absicht auf die untere Elbe wahrscheinlicher, um von dieser mit vermutlich bereitliegenden Schiffen nach England überzugehen. An die Weser dachte man um so weniger, da sich hier nicht die mindesten Anstalten zeigten, so viele Truppen einzuschiffen, wie der Sage nach sich bei ihm befänden. Noch größer wurde die Sicherheit, als der westfälische Divisionsgeneral Reubel 2 am 26. Juli aus Hannover schrieb, er werde mit 6000 Mann Bremen besetzen, und am folgenden Tage ohne alle Begleitung selbst eintraf, wo er dann in einer Privatgesellschaft die Bekanntschaft eines Mitglieds des Senats 3 machte, dem er die verbindlichsten Sachen für den Senat sagte und mit einer fast unbegreiflichen Freimütigkeit wiederholt auseinandersetzte, wie sehr erleichtert die Stadt und deren Handel sich finden sollten, sobald er nur das Kommando in derselben übernommen habe.
Mit solchen Versicherungen reiste er am folgenden Morgen wieder ab. Keiner ahnte etwas Arges, besonders da die ganze westfälische Division Reubel und die holländische Division Gratien dem Herzog entgegenmarschierten, als am 4. August, abends gegen 10 Uhr, der westfälische Oberst von Lepel in das Tor gesprengt kam, gleich zum Präsidenten 4 eilte und diesem im Namen des Generals Reubel die Nachricht brachte, daß der Herzog seiner Division und der Division Gratien bis dahin entgangen sei, sich plötzlich nach der Weser gewendet und Nienburg bereits denselben Morgen verlassen habe, am anderen Tage aber mit seinem Korps in Bremen eintreffen werde, wohin ihn jene beiden Divisionen verfolgten. Hier ihn aufzuhalten, verlange sein General von der Stadt; das bremische Militär müsse daher sogleich die Neustadtstore besetzen, diese behaupten und Kanonen dort aufführen. Alle Schiffe müsse man noch in derselben Nacht von dem linken Weserufer weg nach dem rechten Ufer bringen, die Große Weserbrücke abbrechen lassen und alle Kräfte aufbieten, den Herzog so lange aufzuhalten, bis Reubel den an-
1 Herzog Friedrich Wilhelm von Braunschweig-Oels, genannt der Schwarze Herzog (1771-1815).
2 Über KeaM vgl. S. 419, Anm. 2.
3 Senator Dr. Heinrich Gondela (S. 336, Anm. 5).
4 Präsident war zu dieser Zeit Christian Abraham Heineken.
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