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Geschichte der Freien Hansestadt Bremen von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Franzosenzeit / Christian Abraham Heineken. Bearb. von Wilhelm Lührs
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4. Kosten der Okkupation Ablösung der Holländer durch Franzosen

Unverändert blieben nämlich Bremen und dessen Gebiet, bald stärker, bald schwächer, mit holländischer Einquartierung belastet, deren Menge den Einwoh­nern je länger, desto kostbarer wurde, da die Hauswirte ihnen alle Lebensbedürf­nisse zu reichen hatten und die Einquartierten der vieländischen Gohe in der Stadt mit aufgenommen werden mußten, weil die Weser mit einer Wasserhöhe von 17 Fuß [4,95 m] am 13. April den Deich bei Thedinghausen überströmte, die Barre des Stadtgrabens an der Ostseite der Neustadt umwarf und in der Stromer Feldmark den Ochtumdeich durchbrach, wodurch jene Gohe gänzlich unter Wasser kamen. Nicht minder vergrößerten das Hauptquartier, dessen Umgebungen und die Unterhaltung der Hospitäler die öffentlichen Ausgaben.

Außer den ansehnlichen Tafelgeldern für den General Dumonceau (täglich 70 Taler) mußten dem Platzkommandanten, dessen Adjutanten, dem Chef des Generalstabes usw. verhältnismäßige ähnliche Summen für ihre Tafeln, nur nach den verschiedenen Graden vermindert, gereicht werden. Bei dem angekündigten Einmarsch von 4000 Mann neuer Truppen zeigte der General Abbema am 13. Juli ausdrücklich an, daß jeder dabei befindliche General seine besondere Tafel ver­gütet wünsche, statt mit dem Generalstab an der reichlich besetzten Tafel des Kommandierenden Obergenerals zu speisen. Und diese Begierde nach Tafelgeldern ging so weit, daß die Stadt im August und September genötigt war, außer dem damals zum Marschall erhobenen General Dumonceau den Generälen Bruce 1 und Carteret 2 , dem Brigadier, nachherigem General Damas 3 , der dem General Abbema als Platzkommandant folgte, dem Obersten Valet und anderen der­gleichen Gelder, zum Teil auch unter dem Namen von Bürokosten, und zwar jedesmal 14 Tage im voraus, zu bezahlen. Jene Liste vermehrte sich noch mit dem Generalkommissar Regnault als Chef de l'administration generale der holländi­schen Armee und dem Brigadegeneral Heldring 4 .

Zwar fehlte es nicht an Bemühungen des Senats und der bürgerlichen Mitglieder der Einquartierungsdeputation, in diesen Ausgaben mehrere Ersparungen einzu­führen. Sie blieben aber so wirkungslos wie die Aufmerksamkeit des Senats, sich diesem Militär durch Gestattung französischer Schauspiele während dieses Som­mers durch einen Teil der Hamburger französischen Schauspielergesellschaft gefällig zu bezeigen. Vielmehr hatte die Weigerung, künftig so hohe Tafelgelder und an so viele Personen zu bezahlen, die Folge, daß Bruce und Carteret den gut­mütigen, aber den Eingebungen seiner Umgebung zu leicht nachgebenden Dumon­ceau vermochten, die Stadt am 1. September mit einem Jägerregiment von drei Bataillonen und zwei anderen Infanterieregimentern so lange zu belegen, bis ihnen die verlangten Gelder bewilligt waren. Ja, der General Bruce forderte zwei Tage

1 David Hendrikius Bruce (17751828), holländischer General in französischen Diensten.

2 Antoine Benedict Carteret (17591809), französischer General.

3 Francois Auguste Damas (17771812), französischer Brigadier.

4 Gerhard Heinrieb (seit 1811:) Graf von Heldring, westfälischer General.

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