Glück hatte sein Nachfolger, der Senator Vollmers, den im Mai ein Deputierter der Kaufmannschaft nach Berlin begleitete. Er fand nicht nur Eingang bei dem Staatsministerium, er wußte sich auch bald eine Privataudienz bei dem König 20 zu verschaffen. Am 11. Juni hob dieser die Sperrung der Ströme gegen England wieder auf, ehe mal eine von der Kaufmannschaft ernannte Deputation nach England abging, um nachteilige Verfügungen gegen den bremischen Handel möglichst abzuwenden, und fast zur gleichen Zeit (21. Juni) räumten die Preußen die Stadt und das Gebiet, obschon anfangs ihre Absicht dahin ging, wenigstens in letzterem zu bleiben. Zwar zeigte noch am 13. August der General Tschammer durch ein Schreiben aus dem hannoverschen Osterholz an, daß von dem General Larisch 21 unerwartet der Aufbruch der Truppen befohlen und er beordert sei, mit dem Regiment Graevenitz in Bremen einen Rasttag zu halten; man hielt jedoch selbst diesen Rasttag für zu bedenklich und ruhte nicht, bis der General Larisch denselben in einen bloßen Durchmarsch abänderte.
7. Entwicklung des Handels — Projekt eines Kanals zwischen der Lesum und der Stadt
Daß diese so gehäuften mannigfaltigen Schicksale, die Nähe mehrerer Armeen, die öftere Unterbrechung der Ruhe durch fremde Besatzungen, mehr noch die erschwerten Versendungen in die oberen Gegenden Deutschlands nebst den mehrmaligen Sperrungen der Ströme und deren Wiederaufhebungen einen großen Einfluß auf den Gang des bremischen Handels gehabt haben müßten, ist wohl kaum anders zu erwarten. Rätselhafter möchte es scheinen, wie er bei allen diesen Hindernissen sich auf seiner Höhe erhielt, und daher sich wohl der Mühe verlohnen, den Wegen nachzuspüren, die das merkantilische Genie sich unter diesen Umständen bei dem Seehandel zu bahnen wußte.
Schon die ersten Blockaden der Weser und Elbe im Juli und August 1803 hätten diesen Seehandel Bremens und Hamburgs gänzlich vernichten müssen, wären nicht gleich anfangs beiden Städten zwei Zufluchtsörter offengeblieben, deren sie sich bald bedienten. Allen Schiffen, die in jene Ströme einlaufen wollten, bedeuteten die davor kreuzenden Engländer, entweder nach Tönning oder nach Emden zu segeln. Dahin richteten also diese Zurückgewiesenen ihren Lauf, dahin wurden dann auch diejenigen Schiffe, mit wenigen Ausnahmen, von ihren Befrachtern bestimmt, welche bei der Entstehung der Blockade in fremden Häfen für Hamburg oder Bremen in Ladung lagen.
So wie nun schon wegen seiner geographischen Lage Tönning für Hamburg bequemer ist, so benutzte aus gleichen Gründen der Bremer vorzugsweise Emden. Die auf der Ems angekommenen Güter schaffte man über Aurich und Oldenburg
20 König Friedrich Wilhelm III. von Preußen.
21 Johann Karl Leopold von Larisch (1734—1811), preußischer General.
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