Frankreichs und Rußlands, vorzüglich in Ansehung der rückgängig gewordenen Sendung des Gesandten von Nowosilzow 3 nach Paris, mitzuteilen. Auch England ließ weder diese Städte überhaupt noch Hamburg besonders ein Mißvergnügen empfinden, als die Franzosen am 24. Oktober den britischen Gesandten bei den Städten, Rumbold 4 , bei Hamburg aufhoben und nach Paris abführten. Und die Hanse bezeigte Napoleon zu seiner Krönung als ersten französischen Kaiser 5 ihre Glückwünsche durch eine besondere Abordnung, in welcher Absicht der kaum aus London zurückgekommene Senator Dr. Gröning mit dem Charakter eines Envoye extraordinaire von Bremen wieder nach Paris eilte.
Desto sicherer schmeichelte sich Bremen mit dem ferneren Genuß der zugesicherten unbedingten Neutralität der Reichsstädte, als im Jahre 1805 ein neuer Krieg in Deutschland auszubrechen drohte. Noch beruhigter fühlte es sich, als im September nach dem Abmarsch der französischen Armee aus dem Kurfürstentum Hannover in das südliche Deutschland bloß der General Barbou 6 mit einer kleinen Besatzung in Hameln zurückblieb, als die hannoverschen Minister wieder nach Hannover zurückkamen, die Briten aber die Blockade der Weser und Elbe wieder aufhoben, wovon der neue Gesandte Thornton 7 am 18. Oktober die Anzeige gab.
6. Besetzung Bremens durch die Preußen — Engländer in der Stadt — Rückkunft und Abzug der Preußen
Ein Gerücht verbreitete sich damals von einer abermaligen Neutralitätslinie, wegen welcher Dänemark seine Truppen in Holstein zusammenziehe und wozu auch Preußen 12 000 Mann bestimmen, von denen ein Teil seine Stellung in Westfalen nehmen solle. Dieses schien sich zu bestätigen, als der preußische Hof dem Senat zu Lübeck durch den General Goltz im September (1805) eine gemeinschaftliche Besetzung der benachbarten Küsten mit preußischem und lübeckischem Militär vorschlug, um eine Landung der Russen zu verhindern, die bereits in Transportschiffen vor Stralsund angekommen waren. Eben dieser Hof trug am 30. September auch in Bremen auf eine Verbindung an, die Neutralität zu behaupten. Beide Städte fanden es jedoch bedenklich, sich auf dergleichen einzulassen. Sie
3 Nikolai Nikolaevic Graf von Nowosilzow (Novosilcov) (1770—1838), russischer Diplomat und Staatsmann.
4 Auf Befehl Napoleons wurde Rumbold in einem gegen die britische Diplomatie und die Emigranten gerichteten Gewaltstreich in seinem Landhaus überfallen, seiner Papiere beraubt und verhaftet.
5 Bonaparte, seit 1802 Konsul auf Lebenszeit, schuf für sich eine neuartige Monarchie in Gestalt eines französischen Kaisertums. Ein Senatsbeschluß vom 18. Mai 1804 erklärte ihn als Napoleon I. zum erblichen Kaiser der Franzosen. Am 2. Dezember 1804 krönte er sich selbst in der Kathedrale Notre-Dame zu Paris.
6 Gabriel Marie Barbou des Couriers (1761—1827), französischer General.
7 Sir Edward Thornton war von 1805 bis 1806 englischer Gesandter beim Niedersächsischen Kreis und bei den Hansestädten.
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