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Geschichte der Freien Hansestadt Bremen von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Franzosenzeit / Christian Abraham Heineken. Bearb. von Wilhelm Lührs
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handenen Umständen sehr viele Bedenklichkeiten hatte. Jeder Schritt zu näheren Erkundigungen mußte dabei das tiefste Geheimnis bleiben, um nicht Ideen zu erwecken, an die man vielleicht noch nicht dachte. In möglichster Stille reiste daher der Senator Vollmers 9 ohne Zeitverlust nach Hannover, und diesem feinen Kopf gelang es sehr bald, ehe man in Bremen von den Anmutungen nur mal etwas ahnte, von dem Marschall Mortier herauszubringen, daß er die Anleihe freilich gern sehe, zu irgendeinem Zwang aber nicht den mindesten Auftrag oder Vorsatz habe. Dieses war genug. Ruhig konnte man jetzt, nach diesem Bericht, der Ankunft der beiden Mitglieder der Landstände, von Zesterfleth 10 und von Bar 11 , die in Bremen diese Sache unterhandeln sollten, im Oktober entgegensehen, und da der Senat in der Zwischenzeit auch aus Paris die Antwort erhalten hatte, daß die großen Bedürfnisse der Truppen allerdings die Anleihe sehr erwünscht machen würden, jedoch alles der freien Willkür der Städte überlassen sei, den Antrag beider Abgeordneten ohne Gefahr ablehnen, das mitgebrachte Empfehlungs­schreiben des Marschalls Mortier aber mit der gegründeten Entschuldigung der eigenen Bedürfnisse beantworten. So entging Bremen dieser lästigen Ausgabe, indessen die beiden Schwesterstädte auf die Anleihen, durch den zu ihnen gereisten General Berthier eingeschüchtert, sich einließen, der auch nach Bremen kommen wollte, von dem Marschall aber, der die hiesige Stimmung schon kannte, zurück­gerufen wurde.

5. Neue Handelsstörungen Erzwungene hannoversche Anleihe Aufhebung der Weserblockade

Währenddessen bedrohte eine neue Störung ganz anderer Art nicht bloß Bremens Handel, sondern auch die häusliche Ruhe und das Leben der friedlichen Bewohner vieler Staaten. Im Herbst des Jahres 1803 kam die Nachricht, daß das Gelbe Fieber, welches New York wieder verheere, schon nach Europa verpflanzt und bereits in Malaga, Barcelona und Alicante ausgebrochen sei. Allgemein war an­fangs die Bestürzung und machte die gewöhnlichen oldenburgischen Maßregeln gegen alle Schiffe von New York, dem südlichen Spanien und Portugal vor der Weser notwendig. Doch bald konnte man sich mehr beruhigen. Man wurde mit diesem Übel etwas näher bekannt, und das Sanitätskollegium in Barcelona teilte

9 Johann Vollmers (1753-1818), Sohn des Seeschiffers Arp Vollmers, Kaufmann und seit 1794 Eltermann, wurde 1800 in den Rat gewählt.

10 Dietrich Christian von Zesterfleth (gest. 1820), Rat am Oberappellationsgericht in Celle, verwaltete von Hannover aus die gemeinschaftlichen Schulden der hannover­schen Stände und führte auch alle damit zusammenhängenden Verhandlungen.

11 Herbert Sigismund Ludwig von Bar (1763-1844), hannoverscher Justiz- und Kanz­leirat.

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