Und so wurde dann zur Huldigungseinnahme der 22. September 1805 angesetzt. Nie sah vielleicht Bremen einen froheren Tag als diesen, ein so wahres Volksfest im höheren Sinn des Wortes. Tausende eilten aus der Stadt dahin, um Zeugen dieses erneuerten Bundes zu sein, dem man so lange hoffnungsvoll entgegengesehen hatte. Schwer möchte es zu entscheiden sein, ob die Freude mehr auf den Gesichtern der zuschauenden Bürger oder der Huldigenden glänzte. Denn wenn jene auf diese ihre neue edelste Besitzung sich stolz fühlten, die Vorteile richtig erwogen, die sie der Stadt gewährte, so fühlten diese sich nicht minder glücklich, nunmehr Bremen ganz anzugehören, von dem sie ihr Bestehen hatten, mit dem der größte Teil von ihnen durch Bande des Bluts und durch gemeinschaftliches Interesse so nahe verbunden war, wurden von ihren Nachbarn, die ohnehin damals unter dem Kriegsdruck litten, so beneidet, daß, der Sage nach, einige von diesen den naiven Einfall gehabt haben sollen, ihrem König eine Bittschrift zu überreichen, auch sie doch an Bremen zu überlassen.
2. Ubersicht der von Bremen gewonnenen Vorteile
Wer es mit Bremen wohlmeinte, der wahre Freund seines Vaterlandes, der dessen Wohl und dadurch sein eigenes gehörig zu würdigen wußte, dessen Aufmerksamkeit der Grund manches bisherigen Übels nicht entgangen war, fand auch wahrlich mehr als eine Ursache, der glücklichen Erreichung aller öffentlichen und stillen Wünsche sich mit reinem Herzen zu erfreuen. Das Palladium der Freiheit sah er gerettet, von neuem gesichert. Neben den Trümmern so vieler gefallener freier deutscher Städte und geistlicher Staaten 1 erschien Bremen wieder in dem verjüngten Kreise der übrigen fünf Reichsstädte, die mit ihm dem Untergang entrannen, schöner als zuvor. Denn jeder Vorteil ihres Standes war ihnen geblieben, das Gefährliche, das Lästige desselben ihnen dagegen abgenommen. Vorzüge erhielten diese sechs Städte zugestanden, deren kein anderer Staat sich erfreuen konnte.
Eine unbedingte Neutralität, selbst in den Reichskriegen, wurde ihnen verheißen. Dadurch gegen alle geschützt, befreite man sie zugleich von allen künftigen Kriegssteuern. Sie sollten forthin Gefilde des Friedens sein, sichere, ruhige Wohnsitze der Künste, der Wissenschaften, des Handels, die kein Waffengeklirre störte, keine fremden Krieger verdrängten. Selbst ihr Stimmrecht bei den Reichstagsberatungen konnte sie dabei nicht in Gefahr bringen, denn von jenem entband man sie bei allen Fragen über Krieg und Frieden vollkommen und notwendigerweise. Wer mußte sich nicht schon glücklich fühlen, Bürger eines solchen Staates zu sein? Und wie viele andere individuelle Vorteile hatte nicht Bremen außerdem noch für sich errungen!
1 Infolge des Reichsdeputationshauptschlusses verschwanden 112 Reichsstände; etwa drei Millionen Menschen wechselten ihre Staatsangehörigkeit.
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