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Geschichte der Freien Hansestadt Bremen von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Franzosenzeit / Christian Abraham Heineken. Bearb. von Wilhelm Lührs
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Zimmer- und Mauerleute bei dem Abbrechen des Hauses zu decken; außerdem requirierte er zu diesem Zweck eine Eskadron hannoverscher Kavallerie, die zu­fällig in dem Gerichte Lesum in Quartier lag. Und plötzlich verschwand der vor­herige Heldenmut der Bauern bei dem Anblick dieser ernsthaften Vorkehrungen. Ruhig ließen sie das Haus- und Feldgerät des Beklagten wegräumen und das Gebäude abbrechen, mußten aber die Kosten des Exekutionskommandos, ehe dieses wieder abmarschierte, zur künftigen Erinnerung mit 600 bis 700 Talern be­zahlen.

14. Deichbrüche

Außer diesem Unfug etlicher Dorfschaften ereigneten sich noch einige zum Teil trübe Begebenheiten anderer Art in anderen Gegenden des Gebiets. Im Sommer des Jahres 1796 zeigte sich, daß wegen des Anwachses einer kleinen Weserinsel oberhalb der Stadt, Fresenbulten 1 genannt, zwischen welchem und den Habenhauser Deichen die Weser ihren Lauf genommen hatte, diese Deiche durch den beengten, sie allmählich unterwühlenden Strom in augenscheinliche Gefahr gesetzt wurden, die desto größer werden konnte, da man befürchten mußte, daß nach durchgebrochenem Deich der Strom wegen der dahinter liegenden Niede­rungen am Habenhauser Holzkamp und dem Kuhwerder 2 sich in die Kleine Weser stürzen, auf diese Weise teilen und der Neustadt so gefährlich wie für die Schiffahrt beschwerlicher werden möchte. Dieses durch schnelle, vermutlich sehr kostbare Strombauten zu verhindern, hätte die Kräfte der Habenhauser, wenn sie auch dazu schuldig gewesen wären, sehr leicht überstiegen. Der Rat säumte daher nicht, diese wichtige Angelegenheit am 17. September der Bürgerschaft mitzuteilen, und eine Deputation von beiden erhielt den Auftrag, die Sache mit Kunstverständigen genau zu untersuchen, die Hilfsmittel zu überlegen und die besten in Vorschlag zu bringen. Während diese sich aber noch damit beschäftigte, veränderte sich im folgenden Sommer der Strom durch andere neu entstandene Sandbänke von selbst, nahm nunmehr seinen Lauf zwischen dem Fresenbulten und dem Hastedter Ufer durch, und die Besorgnisse verloren sich von selbst.

Desto unglücklicher war das Jahr 1799. Durch ein plötzliches Auftauen nach einem dreimonatigen Frost schwoll die Weser so stark an, daß sie ein Über­laufen des Punkendeichs besorgen ließ, und indem sich aller Aufmerksamkeit auf diesen richtete, durchbrach sie einen unbeachtet gebliebenen, vielen kaum bekann-

1 Der Fresenbulten ist heute Bestandteil des linken Weserufers zu beiden Seiten der Werderbrücke.

2 Das zu Habenhausen gehörende Gebiet nördlich der heutigen Straße Holzdamm und der Stadtwerder.

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