11. Navigationsschule — Bürger-, Elementar- und Töchterschulen — Karten von Bremen und andere Publikationen
Nicht minderer mannigfaltiger Fortschritte erfreuten sich die Bildungsanstalten in Bremen in dem nämlichen Zeitraum, teils durch wesentliche Verbesserungen einiger schon vorhandener, teils durch Entstehung ganz neuer in bisher ganz unbearbeiteten Fächern, etliche durch öffentliche Verfügungen, andere durch patriotische Bemühungen und reiche Unterstützungen einzelner Staatsbürger. Noch in keiner Periode zeigten Bremens Bewohner ihren eigentümlichen Hang zur Beförderung solcher edlen Zwecke in einem schöneren und mannigfaltigeren Lichte als in der gegenwärtigen.
Die Lateinische Domschule, oder das nachherige Lyzeum, fuhr auf dem Wege rühmlich fort, den sie schon im Jahre 1794 betreten hatte, sich von dem alten Zuschnitt ehemaliger Klosterschulen immer mehr zu befreien. Sie erweiterte im Jahre 1796 den Plan des Unterrichts für NichtStudierende, erhielt neue, dem Zeitgeist angemessene Schulgesetze, eine zweckmäßigere Einrichtung ihrer Schulbibliothek mit Vermehrung des Fonds derselben, und ihre Vorgesetzten hoben aus mehreren Gründen das Athenäum auf, das als eine Vorbereitungsklasse zu dem akademischen Unterricht mit ihr verbunden gewesen war, seinen Absichten jedoch nicht mehr entsprach.
Immer ließ aber diese, so wie jede andere Schule Bremens, noch eine sehr merkbare Lücke in der Vorbereitung zu einem der wichtigsten Stände eines handelnden Staates, welche die Zeitbegebenheiten stets fühlbarer machten und zu deren Ausfüllung wegen des zu individuellen Gegenstandes keine der bisherigen Schulanstalten Hoffnung übrigließ. Bei der bremischen Schiffahrt, die seit dem amerikanischen, noch mehr aber seit dem französischen Revolutionskriege sich fast täglich noch mehr ausbreitete, entstand bald ein Mangel an hinlänglich geschickten Subjekten zur Besetzung der Schiffe. Die meisten bisherigen Schiffer und Steuerleute waren nur notdürftig unterrichtet, meist nur mechanisch gebildet, und bei dem vormaligen beschränkteren Gebrauch der bremischen Flagge hatte man sich damit noch eher begnügen können als jetzt. Selbst ihre Anzahl blieb nicht hinreichend, man mußte zu benachbarten Untertanen seine Zuflucht nehmen, welches verschiedene unangenehme Kollisionen veranlaßte.
Diesen Mängeln abzuhelfen 1 , traten im Herbst 1798 einige patriotische Männer zusammen, eine Lehranstalt zu stiften, worin Söhne bremischer Bürger in den nötigen Kenntnissen zum Seedienst unentgeltlich gebildet, andere, die schon als Matrosen gefahren, zur Bekleidung höherer Stellen auf den Schiffen in den Zeiten tüchtig gemacht werden sollten, wo sie sich nicht auf Reisen befanden. Jene Stifter, an deren Spitze sich der schon mehr erwähnte Kaufmann Carl Philipp Cassel befand (und der schon viele Jahre früher sich selbst erboten hatte, unentgeltliche Vorlesungen über die sogenannte Steuermannskunst zu halten), verbanden sich, vorerst auf zehn Jahre, zu einem ansehnlichen Kostenbeitrag 2 , vertrauten diese Anstalt,
1 In Hamburg gab es schon seit 1749 eine öffentliche Navigationsschule.
2 Diese Stifter waren außer Cassel die Kaufleute Johann Bley, Georg Heinrich Norwich und Hermann Heinrich Schnetter sowie der Kapitän Melchior Steengrafe.
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