trauen empfindlich gekränkt und fanden Verantwortlichkeiten ihnen auferlegt, zu welchen sie sich nicht verpflichtet achteten. Noch unwilliger bezeigten sich die sogenannten Kahnführer, die mit ihren Leichterschiffen die Güter aus den Seeschiffen nach der Stadt und umgekehrt von dieser nach jenen bringen, am ungestümsten aber die Matrosen, bei denen es zu tumultuarischen Auftritten kam und die lieber auf gar keinen bremischen Schiffen fahren zu wollen sich erklärten. Unter durchgreifenden Maßregeln hätte die Schiffahrt gelitten, besonders da die meisten Matrosen fremde Untertanen sind und die Flagge, unter welcher sie fahren, ihnen ziemlich gleichgültig ist. Gelinde Schritte blieben durchgängig vergeblich. Eine Suspension der ergangenen Verordnung, obschon am 18. Juli 1803 eine weitere Milderung derselben in vielen Punkten erschien, am 17. Mai 1804 wurde notwendig, da mehrere Kaufleute sich jetzt selbst von deren Unausführ- barkeit überzeugten. Nicht glücklicheren Erfolg hatte eine Abänderung dieser Verordnung vom 15. Mai 1805, so viele Mühe sich auch die Kommissare des Senats mit den Deputierten der Kaufmannschaft dabei gaben. Kein Matrose war willig zu machen, nach diesen Vorschriften zu dienen. Man mußte es Zeit und Umständen überlassen, sie nur nach und nach vorsichtig einzuführen.
8. Mode — Clubs — Wohnungswesen — Garten- und Feldbau
Daß diese glänzende Periode der Börse den inneren Reichtum derselben außerordentlich vergrößert habe, wird niemand rätselhaft finden. Sichtbar erhöhte sich aber auch der Wohlstand aller übrigen Stände, denn der wohltätige Handel teilte seine belebenden Säfte allen anderen Teilen des Staatskörpers mit. Mehr muß man sich wundern, daß mit diesem so sehr vermehrten Vermögen ein erhöhter Luxus, besonders bei denen, die zunächst und am meisten erwarben, auch noch jetzt nicht stärkere Fortschritte machte. Wenigstens zeigte er sich bei den vornehmeren Ständen minder in gehaltlosem Prunk als in einigen solideren Dingen, und es schien fast, daß diese des reichlicheren Verdienstes immer mehr gewohnt wurden, sich je länger, je besser darin zu finden wußten als ihre Eltern oder Großeltern.
Statt der schimmernden Kleidungen und Stoffe, womit man in dem Siebenjährigen Kriege zu glänzen anfing, bekam jetzt der einfachste Anzug die Oberhand, wiewohl der Regel nach beständig mit ausgezeichneter Reinlichkeit und innerer Güte verbunden, weit entfernt von dem dürftigen, oft schmutzigen Äußeren, das dem Sansculottismus 1 in anderen Gegenden in der ersten Hälfte der neunziger Jahre zur Mode geworden zu sein schien. Weiß wurde je länger, je allgemeiner selbst
1 Sansculotten, franz. Sans-culottes: Spottname für die Revolutionäre, die nicht Culotten — die in der aristokratischen Mode gegen Ende des 17. Jahrhunderts aufgekommenen, bis unter das Knie reichenden Hosen —, sondern Pantalons — die der Tracht der Arbeiter und Matrosen entlehnten knöchellangen röhrenförmigen Hosen — trugen. Die Bezeichnung wurde zum Ausdruck für Patriot und Republikaner.
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