2. Rastatter Kongreß — Französische Anleihe — Elsflether Zoll
Zeitig suchten inzwischen die Hansestädte bei den herannahenden Aussichten zum Frieden, wozu ein Kongreß in Rastatt den Weg bahnen sollte, sich über ihre gemeinschaftlichen Wünsche zu vereinigen, die sie auf Erhaltung ihrer Unmittelbarkeit, Neutralität in Reichskriegen, Sicherheit ihrer Schiffe, besonders auf den unteren Strömen, Stromfreiheit u.dgl. richteten. Schon im Juli 1797 übergaben sie zu deren Empfehlung eine Note an den römisch-kaiserlichen Gesandten in Niedersachsen, Buol-Schauenstein, und auf Bremens Antrag dem französischen Gesandten Reinhard. An beiden Orten erhielt sie die gewünschte Aufnahme, besonders versicherte der zweite unter dem 29. Thermidor 1 , daß diese hanseatischen Wünsche völlig mit dem Interesse der Französischen Republik übereinstimmten. Und ähnliche angenehme Zusicherungen, daß der König seinen Gesandten bei dem bevorstehenden Friedenskongreß in Rastatt den ausdrücklichen Auftrag gegeben habe, die Hansestädte in der Erreichung ihrer Wünsche bestmöglichst zu unterstützen, erfolgten noch am 18. Dezember von dem bei ihnen akkreditierten preußischen Gesandten von Schultz 2 , nachdem auch dessen Hof das hanseatische Interesse empfohlen war.
Uberhaupt genossen die Hansestädte um diese Zeit die vorzüglichsten Auszeichnungen. So z. B. benachrichtigten im August d. J. die Höfe zu Berlin, Petersburg und Wien, und zwar jede der drei Städte besonders, von der geschehenen gänzlichen Teilung Polens 3 , und der österreichische Gesandte teilte den ganzen Teilungsvertrag mit. Ebenso zeigte dieser letzte den drei Städten den Abschluß des Friedens von Campo Formio 4 an. Der spanische Hof gestattete dem in die Stelle des verstorbenen Agenten van der Lepe 5 ernannten hanseatischen Geschäftsträger in Madrid, Andreoli 6 , den Charakter eines Ministerresidenten zu führen, welches dort bis dahin noch nicht gebräuchlich gewesen war. Und der Markgraf von Baden 7 , der mit den nordischen Mächten in so engen Familienverbindungen
1 Datiert nach dem Kalender der Französischen Republik (=16. August).
2 August (seit 1799:) von Schultz war von 1796 bis 1804 preußischer Gesandter beim Niedersächsischen Kreis und bei den Hansestädten.
3 Aufgrund der zwischen Rußland, Österreich und Preußen am 3. Januar und 24. Oktober 1795 abgeschlossenen Verträge wurde — nach der ersten (1772) und zweiten (1793) — die dritte Teilung Polens vollzogen, das damit als Staat gänzlich verschwand.
4 Dem Präliminarfrieden von Leoben zwischen Frankreich und Österreich vom 18. April 1797 folgte am 17. Oktober 1797 die Unterzeichnung des Friedens von Campo Formio (bei Udine). Österreich verzichtete u. a. auf die österreichischen Niederlande und stellte in geheimen Artikeln (ähnlich wie Preußen im Frieden von Basel 1795) die Abtretung des linken Rheinufers an Frankreich in Aussicht; es erhielt Venetien, Istrien und Dalmatien.
5 Johann Frans van der Lepe war von 1765 bis 1796 Agent der Hansestädte in Madrid.
6 Karl Andreoli, der die Hansestädte von 1796 bis 1805 in Madrid vertrat, amtierte seit August 1797 als Ministerresident.
7 Karl Friedrich (1728-1811), Markgraf (1738-1803), Kurfürst (1803-1806), Großherzog (1806—1811) von Baden.
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