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Geschichte der Freien Hansestadt Bremen von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Franzosenzeit / Christian Abraham Heineken. Bearb. von Wilhelm Lührs
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Kommissariats, um die hinterlassenen Schulden der englischen Armee, jedoch ohne alle Belästigung der Stadt, zu liquidieren.

So endigten die damaligen Kriegsszenen in Bremen, nachdem Hannover zugleich der Stadt den Kontrakt aufkündigte, durch welchen es das bremische fünffache Reichskontingent gegen vierteljährliche Zahlung von 3412 Talern 13 Marien­groschen 6 Pfennigen bis dahin vertreten hatte.

12. Neue Gesandte Hollands und Frankreichs bei den Hansestädten Talleyrands Aufenthalt in Bremen

Inzwischen daß der große Haufe nur an diese Befreiung dachte, nur auf sie seine Augen richtete, beschäftigte den Senat noch ein ganz anderer, mit möglichster Vorsicht zu behandelnder Gegenstand.

Schon im Juli 1795 überreichte ein neuer Gesandter der kaum entstandenen Batavischen Republik, Abbema 1 , sein Kreditiv auch bei den Hansestädten, aber noch immer befand sich Hartsinck 2 , der Gesandte der vorigen Regierung, ohne Rückberufung in Hamburg. Jener drang auf seine Anerkennung, und da dieser nicht weichen, der Senat aber nicht gern sich für den einen oder anderen erklären wollte, so erregte dieses ein Mißvergnügen in Holland. Noch schwieriger wurde diese Angelegenheit, als der preußische Hof sich erklärte, daß das Direktorium im Niedersächsischen Kreise keinen anderen holländischen Gesandten als Hart­sinck anerkenne. Endlich mußte ein Entschluß gefaßt werden, und Bremen half sich damit, daß es statt der förmlichen Anerkennung, die von den beiden Schwesterstädten geschah, nur noch keine formelle, sondern vorerst eine materielle Anerkennung dem Gesandten Abbema zusicherte, womit dieser auch für den Augenblick sich zufrieden bezeigte.

Ähnliche Schwierigkeiten standen aus der Veränderung der französischen Gesandt­schaft zu besorgen; denn im September 1795 erhielt der Senat die Nachricht, daß Frankreich einen neuen Gesandten bei den Hansestädten ernannt habe, der mit ehestem eintreffen würde. Dieses war Reinhard 3 , der jedoch den Auftrag hatte, seinen öffentlichen Charakter noch nicht anzunehmen, sondern einstweilen als bloßer Privatmann in Hamburg zu leben, wogegen der bisherige französische Gesandte, Le Hoc, dem Senat im Oktober anzeigte, daß er als Ambassadeur nach Stockholm bestimmt sei. Überhaupt benahm sich die neue Französische Republik

1 Balthasar Elias Abbema (17391805) übte sein Amt als Gesandter der Batavischen Republik beim Niedersächsischen Kreis und bei den Hansestädten von 1795 bis 1800 aus.

2 Jan Caspar Hartsinck war seit Mai 1794 Gesandter der Niederlande beim Nieder­sächsischen Kreis und bei den Hansestädten.

3 Karl Friedrich (seit 1809:) Baron, (seit 1815:) Graf Reinhard (1761-1837) aus Schorndorf, französischer Diplomat und 1799 Minister des Auswärtigen, vertrat sein Land bei den Hansestädten von 1795 bis 1798 und von 1802 bis 1805.

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