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Geschichte der Freien Hansestadt Bremen von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Franzosenzeit / Christian Abraham Heineken. Bearb. von Wilhelm Lührs
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6. Reform der Lateinischen Domschule öffentliche Bibliothek Notariatswesen Theater

In dem Unterricht der Jugend verdankte die Lateinische Domschule im Jahre 1794 ihren Lehrern und damaligen Vorgesetzten eine sehr zweckmäßige Reform nach den Erfordernissen des sich immer mehr ausbreitenden bremischen Handels und der zunehmenden Kultur fast aller bürgerlichen Stände. Unterweisungen in dem Französischen, Englischen, der Naturgeschichte usw. wurden eingeführt, das überflüssige Latein aus den unteren Klassen verbannt, eine Vermehrung der Lehrstunden vorgenommen und unter den Lehrern der beiden Hauptabteilun­gen der Schüler, der studierenden und nicht studierenden Jugend, verabredet, daß jeder denjenigen Teil des Unterrichts übernehmen solle, in welchem er am nütz­lichsten wirken zu können glaube.

Unter den übrigen literarischen Instituten hatte die öffentliche Bibliothek seit ihrer Wiedereröffnung im Jahre 1775 vorzüglich gewonnen. Schon im Jahre 1783 hinterließ ihr der damals verstorbene, um Bremens Geschichte durch seine mannig­faltigen Beiträge sehr verdiente Professor Johann Philipp Cassel seine mit vieler Mühe zusammengebrachte, sehr vollständige seltene Sammlung alter und neuer lateinischer Dichter als ein Vermächtnis. Und der Senat, um dieses zu erwidern, kaufte von dessen Erben ebenmäßig für die Bibliothek seinen ganzen beträcht­lichen Nachlaß gedruckter sowohl als geschriebener Werke und einzelner Schrif­ten, welche die bremische Geschichte betrafen. Unter diesen fanden sich auch alle Bücher, die Bremer zu Verfasser hatten oder in Bremen gedruckt waren. Freilich eine etwas sonderbar scheinende Sammlung, die allerdings vieles Unnütze enthielt, aber dagegen auch jede Lücke ziemlich ausfüllt, die auf Bremens Geschichte einige Beziehung hat.

Einen anderen angenehmen Zuwachs bekam dieser Büchersaal im Fache der schönen Wissenschaften und besonders der deutschen Sprachlehre im Jahre 1795 durch die schon im vorhergehenden erwähnte, auf ihn vererbte Bibliothek der bremischen Deutschen Gesellschaft. Im Jahre 1796 vermehrte der Senat die jähr­lichen gewissen Einkünfte der Bibliothek und setzte sie dadurch in Stand, manche Lücke auszufüllen, einige bisher fast ganz unbeobachtet gebliebene Fächer neu zu stiften, z. B. Wasserbaukunst, Münzwissenschaft u.dgl., zu welchem ersteren eben­mäßig der Senat durch ein Geschenk des kostbaren Wiebekingschen Werkes 1 über diese Wissenschaft den ersten Grund legte. Außerdem vereinigte sich nach dem Muster des Museums im Jahre 1797 eine nicht kleine Anzahl Literaturfreunde zu einer Lesegesellschaft, in der hauptsächlich die besten neueren Schriften aus dem Gebiete des Völkerrechts, des deutschen Staatsrechts, der Staatsökonomie, der Polizei und der diese Wissenschaften berührenden historischen Schriften auf ihre Kosten zirkulieren, dann aber der Bibliothek anheimfallen sollten. Einer besonders wohltätigen Verbesserung erfreute sich die für die Staatsbürger jedes Standes so wichtige Führung der außergerichtlichen Rechtsgeschäfte. Die

1 Karl Friedrich von Wiebeking, Beiträge zum praktischen Wasserbau und zur Maschi­nenlehre, Düsseldorf 1792; Vorschläge zur Verbesserung des Wasserbaus, Darm­stadt 1796.

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