zum Wollekratzen, die man bis dahin noch nicht in Bremen besaß. Eben dieser lehrte dabei die Verschönerung der roten Farbe durch eine Auflösung von feinem englischem Zinn.
Das Hauptverdienst um die Bearbeitung dieses schönen Planes und dessen Einrichtung erwarb sich der damalige Senator und nachherige Bürgermeister Liborius Diedrich von Post, und der Rat gestattete gegen eine unbedeutende Miete den Gebrauch eines öffentlichen Gebäudes in der Neustadt zur Niederlage der Wolle und Ware und zur Wohnung des Aufsehers. Ruhig durfte jetzt der Fabrikant fortarbeiten, unbekümmert, wo er das von ihm Verfertigte lassen solle, und seines ihm vorher genau bekannten Verdienstes gewiß. Beneidenswert hätte das Schicksal dieser Bürger scheinen müssen, unter denen es jetzt nur dem Nachlässigen oder Faulen an Unterhalt fehlen konnte, hätten nur eben der freilich nicht mit in Anschlag gebrachte gar zu große Fleiß und andere nicht vorherzusehende Zeitumstände die frohen Aussichten nicht vereitelt.
Eben weil keiner der Weber sich darum zu bekümmern brauchte, wo seine Arbeit zuletzt bleibe, da jeder von ihnen seines ersten Absatzes gewiß war, wurden weit mehr Mützen und Strümpfe geliefert, als man anfänglich berechnet hatte. Ja, es fehlte bald an der erforderlichen Menge der Webstühle, und verschiedene Besitzer vermieteten den Gebrauch derjenigen während der Nacht, auf welchen sie selbst sich am Tage beschäftigten. Natürlicherweise überfüllte sich schon hierdurch das Lagerhaus mit Waren, noch mehr aber, wie in der Folge der Krieg einige der vorzüglichsten Quellen des auswärtigen Debits 4 , nach Spanien und Rußland, verstopfte. Zu klein blieb jetzt der zuerst bestimmte Fonds: Um die Arbeiten fortsetzen zu können, mußten von Zeit zu Zeit Gelder zinslich aufgenommen werden, die den Schuldenzustand allmählich vergrößerten und einen kränkelnden Zustand dieser so vortrefflichen Anstalt nach sich zogen, die wegen ihres wohltätigen Zweckes eine dauerhaftere Gesundheit wohl verdient hätte, die, ungeachtet des den Absichten nicht ganz entsprechenden Erfolges, zu merkwürdig war, um ihre erste Entstehung hier nicht etwas ausführlich zu schildern.
5. Verhandlungen mit Oldenburg: Ausbau des Weges nach Varrel — Verbot von Arresten auf Schiffsladungen
Der Herzog von Oldenburg 1 wünschte den Weg verbessert, der in dem Gebiete der Stadt von Kirchhuchting über das Dove Moor 2 nach Moordeich und Varrel führt. Gern ergriff der Senat die Gelegenheit, diesem Fürsten seine Aufmerksamkeit zu zeigen, ließ den Weg im Jahre 1793 auf öffentliche Kosten in vortrefflichen Stand setzen, den er dann den Kirchhuchtingern zur weiteren Unter-
4 Debit: Absatz, Verkauf oder Vertrieb von Waren.
1 Herzog Peter Friedrich Ludwig von Oldenburg (S. 171, Anm. 43).
2 Der heutige Straßenzug Kirchhuchtinger Landstraße — Dovemoorstraße. Uber das Dove Moor vgl. S. 286, Anm. 10.
243