Druckschrift 
Geschichte der Freien Hansestadt Bremen von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Franzosenzeit / Christian Abraham Heineken. Bearb. von Wilhelm Lührs
Entstehung
Seite
234
Einzelbild herunterladen
 

Planes, nach welchem der Niedersächsische Kreis 3967 Mann Kavallerie und 8121 Mann Infanterie stellen sollte, fand jedoch bald so viele Schwierigkeiten, die in der Natur der Sache lagen, daß der Senat schon im Mai aus Wien die Nachricht erhielt, man werde den Mindermächtigen erlauben, sich wegen ihres Beitrags mit mächtigeren Kreisständen zu verbinden. Gern benutzte Bremen diese Nachsicht und schloß nunmehr mit Hannover, dem erwähnten Separatartikel gemäß, einen Kontrakt, wodurch dieses die Stellung der bremischen Mannschaft übernahm.

2. Lebhafter Handel Konsulat der Vereinigten Staaten Maklerordnung Gelbfieber Kapereien

Der ausgebrochene Krieg gab sehr bald dem Handel neue Schwungkraft. Beson­ders belebte gleich anfangs die Anlegung vieler Militärmagazine den Getreide­handel, noch mehr aber als jene bald nachher der Mangel an Korn in anderen Staaten, vorzüglich in Frankreich, das schon gewöhnlich keinen Überfluß daran hatte, jetzt, wo während der Revolution der Landbau in so vielen Gegenden ver­nachlässigt lag, dessen noch weit mehr aus der Fremde bedurfte. Fortwährend kamen die ansehnlichsten Aufträge zu Ankäufen auch nach Bremen. Für Rechnung der französischen Regierung geschahen die größten Versendungen, und man stellt sich kaum vor, welche Summen einzelne Handelshäuser an diese daher allmählich zu fordern hatten, verschiedene von ihnen bei dem öfteren Wechsel der Behörden und dem damals noch so unsicheren Gang der französischen Staatsverwaltung durch gar zu leichtsinnig gegebenen Kredit einbüßten.

Schon im Jahre 1793 war diese Getreideversendung so lebhaft, daß sie, um die öffentlichen Einnahmen gegen einzelne Befreiungsgesuche auswärtiger Autoritäten zu schützen, am 26. Januar die Erneuerung einer Verordnung vom 4. November 1693 und 12. Juli 1717 notwendig machte, daß jeder, der Korn oder andere Waren an Ausländer verkaufe oder, von anderen verschrieben, als für seine eigene Rechnung verkauft ausführen lasse, alle öffentlichen Abgaben dafür selbst zu entrichten habe. Als eine andere Folge des durch die Versendungen steigenden Roggenpreises wurde am 11. Februar die Eröffnung der Stadtkornhäuser zum Besten der Bürger erforderlich. Auch der kaiserliche Gesandte von Binder be­schwerte sich über die fortwährende Ausfuhr des Getreides und Fleisches nach Frankreich. Hannover ließ sogar den Hamburgern, die sich in der nämlichen Lage befanden, ein mit Korn beladenes Schiff zu Stade anhalten und aller Gegen­bemühungen ungeachtet konfiszieren.

Von der Zunahme des oberländischen Handels gibt folgende Liste der zu Dreye verzollten Güter einen, wenn auch nicht ganz genauen, doch ungefähren Begriff 1 .

1 Die folgenden Angaben entnahm Heineken dem Werk von Andreas Demian, Statistik der Rheinbundstaaten, Bd. 1, Frankfurt am Main 1812, S. 324.

234