mindeste Neigung zum Weichen bezeigte, blieb dieser Streit, wie so mancher andere, unausgemacht liegen, verlor sich aber in der Folge von selbst, als Kurhannover im Jahre 1802 in Gemäßheit des damaligen Reichsdeputationsschlusses 10 allen Gerechtsamen in Bremen und dessen Gebiete entsagte und die Stadtvogtei einer der ersten Punkte war, über welchen das Ministerium die Verzichtleistung dem Senat einsandte.
Einen anderen Gegenstand zum Briefwechsel mit Hannover gab die Aufhebung eines Weggeldes auf der Grenze zwischen Hemelingen und Hastedt. Bei Gelegenheit eines Hemelinger Deichbruchs war jener entstanden, weil Hannover statt der vormaligen, von den Fluten ausgehöhlten und weggerissenen Heerstraße einen neuen Weg durch die Hemelinger Sanddünen 11 damals anlegte und dafür das gedachte Weggeld solange einführte, bis die Kosten des neuen Weges dadurch ersetzt wären. Längst waren diese Kosten durch die Einnahme getilgt, aber immer hob Hannover noch das Weggeld, bis nach öfteren Anerinnerungen des bremischen Senats die Regierung um das Jahr 1790 dessen Wiederaufhebung genehmigte und den Schlagbaum wegräumen ließ, der bis dahin den Weg versperrte.
Auch das Ableben Kaiser Josephs IL, der nach manchen in seinen letzten Tagen erlittenen Widerwärtigkeiten 12 am 20. Februar 1790 sein Leben endete, und die Wahl Peter Leopolds von Toscana zum römischen Kaiser 13 veranlaßten die gewöhnliche Unterhandlung in Wien, statt der Lokalhuldigung den Huldigungseid durch einen Bevollmächtigten, den bremischen Reichshofratsagenten von Merck 14 , leisten zu lassen. Leicht erhielt die Stadt dieses zugestanden 15 , und Leopold II. bestätigte deren Privilegien. Groß waren die Erwartungen des ganzen Deutschen Reiches von diesem neuen Monarchen, zu kurz aber seine Regierung als Kaiser und als Beherrscher von Österreich, um ihn in seiner größeren Sphäre richtig beurteilen, um bestimmen zu können, ob seine Klugheit den zahllosen Leiden würde vorgebeugt, sie wenigstens vermindert haben, die seine unglückliche Zusammenkunft zu Pillnitz am 27. August 1791 mit dem König von Preußen, dem Kurfürsten von
10 Über den Reichsdeputationshauptschluß vgl. S. 286 ff.
11 Vermutlich der heutige Straßenzug Alter Postweg — An der Grenzpappel (früher Bremer Straße).
12 Joseph II. mußte auf dem Sterbebett die meisten der von ihm eingeleiteten Reformen widerrufen und damit das Scheitern seiner Lebensarbeit erfahren. Hinzu kamen Schicksalsschläge familiärer Natur.
13 Kaiser Leopold IL (1747-1792) regierte von 1790 bis 1792.
14 Johann Andreas von Merck war von 1780 bis 1806 bremischer Reichshofratsagent und Resident in Wien.
15 Der Agent von Merck leistete den Eid am 9. Juli 1791 in herkömmlicher Weise vor dem Reichshof rat. Wie beim Regierungsantritt Josephs II. im Jahre 1765 mußte die Stadt für den Dispens von der Lokalhuldigung und für die Bestätigung ihrer Privilegien beträchtliche Summen zahlen.
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