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Geschichte der Freien Hansestadt Bremen von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Franzosenzeit / Christian Abraham Heineken. Bearb. von Wilhelm Lührs
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3. Oberländischer Handel

Eben der Krieg, der Bremens Seehandel und Schiffahrt eine so große Ausdehnung und ganz neue Quellen des Gewinnes verschaffte, gab auch dem sogenannten oberländischen Handel einen weit größeren, bis dahin ungewohnten Spielraum. Sobald Holland (1780) in jenen Krieg mit verwickelt wurde, sahen die Frank­furter und andere am Main oder Rhein handelnde Kaufleute sich genötigt, ihre meisten Waren über Münden von Bremen zu ziehen; und man konnte rechnen, daß die nach Münden beladenen Schiffe in Bremen gewiß ihre halbe Ladung für Frankfurter Rechnung einnahmen, statt daß vorher, im Frieden, kaum der sechste Teil soviel auf diesem Wege bezogen wurde. Allerdings mochte nach hergestelltem Frieden manches von diesem Handelszuwachs in seine vorigen Gleise zurück­kehren; aber manches blieb doch auch auf dem neueröffneten Wege. Denn einmal angeknüpfte Handelsverbindungen werden nicht immer so leicht wieder abgerissen, und daß der Absender an der Weser nicht alle Mühe angewendet haben sollte, den neuen Handelsfreund möglichst an sich zu fesseln, ist kaum zu bezweifeln. Dieser inländische oder sogenannte deutsche Handel bestand wie gewöhnlich darin, daß der Kaufmann gegen Kolonialprodukte und gegen Erzeugnisse oder Fabrikate fremder europäischer Länder deutsche Produkte, vorzüglich Getreide, Holz, Leinwand und Garn, aus dem Sächsischen, Hessischen, Westfälischen und Hannoverschen zog. Wie bedeutend diese Ausfuhr deutscher Produkte über Bre­men sei, läßt sich daher beurteilen, daß man bloß den jährlichen Verkehr mit Leinwand schon im Jahre 1779 bis auf 5 Millionen Taler anschlug. Und wie sehr die Ausfuhr aus Bremen in die inneren deutschen Provinzen bei Artikeln des feineren Geschmacks und des Luxus während 50 Jahren sich vermehrt habe, kann nachfolgendes Verzeichnis dessen, was bloß nach Hannover und Celle versandt worden, zu einigem Beweis dienen, das zugleich einen nicht ganz uninteressanten Beitrag zur Beurteilung der Veränderung in Geschmack und Bedürfnissen dar­bietet, so unzuverlässig auch sonst dergleichen Auszüge der Zollregister zu sein pflegen und aus begreiflichen Ursachen gewöhnlich weniger enthalten, als die wirkliche Quantität der Waren betrug.

Vom 1. Mai 1739 bis zum 1. Mai 1740 sandte Bremen nach Hanno­ver und Celle:

Butter

Kaffee

Trockenfisch

Heringe

Roggen

Weizen

Gerste

Käse

968 Tonnen

48 Zentner

2 704 Zentner

6108 Tonnen

2 555 Stiege

Vom 1. Mai 1789 bis zum 1. Mai 1790 betrug die Ausfuhr eben dieser Artikel dahin:

Butter

Kaffee

Trockenfisch

Heringe

Roggen

Weizen

Gerste

Käse

1 037V-2 Tonnen 4 011 Zentner

286V2 Zentner 1 343 u /io Tonnen

738V4 Last

2674 1 487

Last Stiege

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