2. Handel mit den Vereinigten Staaten und Westindien
Von noch weiterem Umfang und größerem Einfluß auf das Ganze waren die neuen Handelsquellen und merkantilischen Verbindungen, die sich Bremen von dem Jahre 1782 an in Nordamerika eröffnete. In diesem Jahre wagten einige Handelshäuser, damals noch in aller Stille, in Gesellschaft mit einigen Hamburgern die ersten Versuche eines Handels mit dem seiner Unabhängigkeit so nahen Nordamerika 1 , wohin ehemals nur die Briten Zugang hatten 2 . Auch diese ersten Versuche lieferten anfangs nicht das erwartete Resultat für alle Teilnehmer, vielleicht nur für einige wenige unter ihnen, vermutlich aus den nämlichen Gründen wie bei den ersten bremischen Geschäften nach China und Ostindien. Sobald aber der Pariser Friede 3 vom 3. September 1783 den ungestörten Weg zu den Vereinigten Staaten eröffnete, legte er zugleich den Grund zu einem ausgebreiteten neuen Handel mit den Hansestädten, der auch in Bremen mit jedem Jahre sich vergrößerte. Direkter amerikanischer Handel, von dem man vorher nichts wußte, fing an, die kaufmännische Betriebsamkeit in neue Bewegung zu setzen und das Besuchen der außereuropäischen Häfen immer allgemeiner zu werden, statt daß man vorher nur den Zwischenhandel mit den bekanntesten europäischen Handelsnationen benutzte, um die Produkte des amerikanischen Kontinents und der beiden Indien zu erhalten. Philadelphia, New York, Charleston und Baltimore wurden allmählich die Hauptplätze in den Verbündeten Staaten, die mit der bremischen Börse in nähere Verbindungen kamen. Vorzüglich übertrafen Bremens Handelsgeschäfte mit Baltimore nach einigen Jahren verhältnismäßig schon den Handel Hamburgs in dem nämlichen Maße, wie der Tabakhandel Bremens den Hamburger Tabakhandel übersteigt.
Neben diesen direkten Geschäften mit Nordamerika und durch sie veranlaßt, knüpften sich fast zu gleicher Zeit direkte Handelsverbindungen mit St. Thomas 4 an, obschon auch diese, so wie die nordamerikanischen, in den ersten zehn Jahren noch nicht die Wichtigkeit erhielten, worin sie nachher sich zeigten. Auch der grönländische Walfisch- und Robbenfang blieb im fortwährenden Zunehmen. Im Jahre 1780 beschäftigte er vier Schiffe, im Jahre 1787 aber acht und im folgenden Jahre neun Schiffe.
Daß bei diesem immer stärker werdenden Ab- und Zufahren der Schiffe auf dem Weserstrom die Bake 5 , die sich an deren Ausfluß befindet und die ein Gewitterstrahl im Jahre 1783 herunterbrannte, in möglichster Schnelligkeit wieder aufgebaut sei, bedarf wohl kaum einer Bemerkung.
1 Am 6. April 1776, also schon vor der Unabhängigkeitserklärung, hatte der Kongreß die amerikanischen Häfen dem Welthandel geöffnet.
2 Die Schiffahrtsgesetzgebung Englands, deren Kernstück die Navigationsakte von 1651 war, beschränkte den Handel seiner Kolonien auf das Mutterland und dessen Schiffe.
3 Im Frieden von Paris, der am 3. September 1783 unterzeichnet wurde, erkannte der König von England die 13 Vereinigten Staaten (United States) als frei, unabhängig und souverän an.
4 Das erste direkt von der — 1764 zum Freihafen erklärten — dänischen Insel St. Thomas kommende Schiff erreichte Bremen 1782.
5 Die Bake, ein hoher hölzerner Turm, war die einzige ihrer Art an der Weser.
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