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Geschichte der Freien Hansestadt Bremen von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Franzosenzeit / Christian Abraham Heineken. Bearb. von Wilhelm Lührs
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kaum war dieser verebnet, als im April d. J. wegen der fahrenden Post von Ost­friesland nach Hamburg ein neuer Streit entstand. Hannover verlangte nämlich, daß diese Post den Weg, den sie seit hundert Jahren genommen hatte, künftig nicht beibehalten, sondern einen anderen nehmen solle. Da nun den Postinter­essenten an dem bisherigen Weg sehr gelegen war, so mußten nach mühsamen Unterhandlungen Bremen und Hamburg sich endlich bequemen, daß man diese Post, um ihren Lauf durch das Herzogtum Bremen zu behalten, zu einer Kom­munionpost mit Hannover machte, so daß der Postwagen in Bremen wöchentlich einmal von dem bremischen, einmal aber von dem hannoverschen Postamt expediert wurde und so abwechselnd auch bei beiden Postämtern ankam.

17. Einige minder bedeutende Vorfälle

Einige minder bedeutende vermischte Vorfälle mögen diesen Abschnitt be­schließen.

Ehrenvoll für Bremen erbat der berühmte Graf Wilhelm von Bückeburg 1 seinen Zögling, den bremischen Obersten und Kommandanten Johann Heinrich von Böhm 2 , sich von dem Rat, um ihn, der als Feldmarschall nach Lissabon ging, als Generaladjutant in dem Feldzug gegen Spanien zu begleiten, wozu der Oberst im Jahre 1762 Urlaub erhielt und im folgenden Jahre, nach geschlossenem Frie­den, als Generalmajor in seinen vorigen Posten zurückkam. Noch ehrenvoller, als im Jahre 1764 der König von Portugal den Senat ersuchte, ihm diesen ver­dienstvollen Offizier gänzlich zu überlassen, der dann als Feldmarschalleutnant in portugiesische Dienste trat und als General sämtlicher portugiesischen Truppen nach Brasilien ging, welchen Posten er viele Jahre lang bis an seinen Tod rühmlich bekleidete 3 .

Am 15. Oktober 1766 sah Bremen Dänemarks neue Königin Karoline Mathilde 4 ,

1 Graf Wilhelm von Schaumburg-Lippe (reg. 17481777), der sich im Siebenjährigen Krieg als hannoverscher Feldzeugmeister in vielen Schlachten ausgezeichnet hatte, übernahm 1762, als der Krieg zwischen Portugal/England und Spanien/Frankreich ausbrach, den Oberbefehl über die portugiesischen Truppen und ein englisches Hilfs­korps.

2 Johann Heinrich Böhm (17081790, nicht adlig, obwohl er seinem Namen ein v. oder de voransetzte), in Bremen geboren, war hier, nachdem er im Dienst des Grafen Wilhelm von Schaumburg-Lippe gestanden hatte, seit 1759 Oberst des Stadtmilitärs und Stadtkommandant.

3 Zusammen mit dem schwedischen Feldmarschall Jacques Funk gilt Böhm als der Begründer des brasilianischen Heeres, das er als Instruktionsoffizier erstmalig zu einer regulären Truppe formte.

4 Die englische Prinzessin Karoline Mathilde (1751-1775) heiratete den geisteskranken König Christian VII. von Dänemark. Bekannt wurde sie durch ihre Liaison mit dem 1771 zum Geheimen Kabinettsminister und Grafen erhobenen königlichen Leibarzt Johann Friedrich Struensee, die mit dessen Hinrichtung (1772) und ihrer Scheidung endete.

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