Strömungen ihre Wohnungen und Gärten unter Wasser gesetzt, ihre Aussaat verwüstet, nicht selten ihre ergiebigsten Felder mit dem unfruchtbarsten Flußsand mehrere Fuß hoch bedeckt sehen; wenn sie dann, diese Sanddecke wieder wegzuschaffen, ihre Saaten wieder zu bestellen, alle Kräfte aufwenden und zugleich dem Eigentümer des durchgebrochenen Deiches zu dessen Herstellung die gesetzliche Hilfe leisten müssen. Wahrlich muß man bei solchen Betrachtungen fast erstaunen, statt des Wohlstandes, der durchgängig den bremischen Landmann bisher auszeichnet, nicht allenthalben Verarmung und Mißmut zu erblicken und, da weder eine sich auszeichnende Industrie noch vorzügliche Güte des Bodens, der in den meisten Gegenden des bremischen rechten Weserufers nur sehr mittelmäßig ist, der Grund davon sein können, sich von der Wahrheit überzeugt finden, daß nur die glückliche Verfassung, unter welcher der bremische Landmann lebt, daß nur die Sicherheit gegen allen Druck, unter dem die Landleute so vieler anderer deutscher Staaten seufzen, die Quellen dieser Zufriedenheit, dieses Wohlstandes sind.
Hierzu kommt dann noch, daß er selbst in den unglücklichsten Jahren, wo die einheimische Ernte gänzlich mißlingt, von einem wahren drückenden Mangel gar keinen Begriff hat, daß selbst dann öffentliche Anstalten und Vorteile, welche der freie Handelsverkehr gewährt, ihn bisher dagegen schützten. Als in dem schon bemerkten Jahre 1771 eine fast allgemeine nasse Witterung die Ernte so sehr verdarb, daß ein durchgängiger Mißwachs und Teuerung in mehreren Gegenden Oberdeutschlands in dem folgenden Jahre daraus entstand, der in dem sächsischen Erzgebirge in wahre Hungersnot ausartete, als auch das Gebiet der Stadt Bremen bei dieser nassen Witterung durch die vielen vorherigen Deichbrüche doppelt litt, besonders da die Wümme, von dem beständigen Regen angeschwollen, sogar mitten im Sommer (am 16. August) von neuem den Blockländer Deich durchbrach, war demungeachtet das kleine Gebiet Bremens von einem wahren Kornmangel so weit entfernt, daß der höchste Preis des Roggens nicht 152 Taler, der des Weizens nicht 175 Taler für die Last überstieg. Denn die Kornhäuser der Stadt fanden sich so gut angefüllt und die Handelsverbindungen in Bremen hatten einen solchen Kornvorrat zusammengebracht, daß dieser nicht bloß für den Bedarf der Stadt- und Landbewohner hinreichte, sondern auch den benachbarten Hannoveranern davon überlassen werden konnte und dem oberen Deutschland, bis Nürnberg, Getreide aus Bremen zugeführt wurde.
16. Auswärtige Verhandlungen: Borgfelder Grenze — Huldigung Kaiser Josephs II. — Stapelrecht — Vorstädtische Ländereien — Elsflether Zoll - Post
Ist nach solchen Tatsachen die Geschichte Bremens in diesem Abschnitt, sowenig sie auch auffallende Veränderungen dieses kleinen Staates darbietet, doch schon wegen mancher inneren Angelegenheiten dem Verehrer seines Vaterlandes nicht ohne alles Interesse, so verdient sie seine Aufmerksamkeit nicht minder wegen
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