14. Garten- und Feldbau
Fast ohne Fortschritte war die Landkultur; leider stand sie noch immer auf ihrer vorigen, das ist sehr niedrigen Stufe.
Bloß in dem Gartenbau zeigten sich die ersten Schritte einiger Verbesserungen. Ein natürlicherer Geschmack in den Gartenanlagen fing nach und nach an, die Oberhand über den altfranzösischen und holländischen zu gewinnen, und seit dem Kriege sah man hin und wieder einzelne Ideen, aus englischen Anlagen entlehnt 1 , in die bremischen Gärten und Landsitze übertragen, manches artige exotische Gewächs einheimisch gemacht. Den ersten Versuch dieser Art machte ein sehr gebildeter Kaufmann 2 auf seinem Landsitz in Rockwinkel. Nur schade, daß bei verschiedenen anderen der Raum fehlte und daher leicht Uberladungen entstanden. Auch betraf dieses bloß einen Gegenstand des Vergnügens, neben welchem nur der Anbau einiger Arten solcher Gartenfrüchte sich sichtbar mehrte, die man ehemals zu den feineren gezählt hatte, jetzt aber, wo auch der tägliche Tisch nicht weiter so einfach besetzt war, mehr zum Bedürfnis gehörten. Keinen Spargel brauchte man noch aus Hamburg, keinen Blumenkohl aus England zu verschreiben, Melonen hörten allmählich auf, eine Seltenheit zu sein, Erdbeeren wurden schon in dem nahe liegenden Dorfe Walle häufig gezogen und zum feilen Verkauf herumgetragen. Und so, wie der häufigere Genuß des Gemüses die ehemals beliebteren vielen Mehlspeisen verdrängte, sah man den Gemüsebau in dem Waller Felde sich jährlich weiter verbreiten.
Noch immer blieb dieses indessen ein schwacher Anfang, noch immer einer großen Verbesserung fähig.
Auf keine Kultur des Baumobstes, sofern nicht etwa ein einzelner Liebhaber sich damit zu seinem Vergnügen beschäftigte, fiel die Betriebsamkeit, so große Summen auch jährlich die Altländer für Früchte aus Bremen zogen. Sogar die Kartoffeln, dieses jetzt so notwendige Bedürfnis aller Stände, woran der Geschmack sich seit der Mitte des Jahrhunderts auch in Bremen immer vergrößerte, kamen noch in vielen Schiffsladungen jährlich aus Holland, statt selbst den nötigen Bedarf zu pflanzen, so schön sie auch an der Weser gedeihen.
Im Feldbau aber geschahen nicht die allermindesten Fortschritte. Dem Städter erlaubte sein Gewerbe nicht, sich mit dergleichen zu beschäftigen, und der Landmann blieb in seinem angeborenen Phlegma bei der Weise seiner Väter. Zufrieden mit dem, was der Himmel ihm auf diese Weise bescherte, dachte er auf keine Verbesserung seiner Felder, um dadurch die verschiedenen Unglücksfälle desto leichter zu ertragen, die in dem Lauf dieser Jahre ihn trafen.
1 Vgl. über die nach französisch-holländischem und nach englischem Vorbild angelegten Gärten S. 305.
2 Vermutlich der Kaufmann und Eltermann Henrich Rouwe (1682—1758).
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