mischt, daß von ihren Nachkommen nur noch wenige übrigblieben, die nicht die deutsche Sprache ebenso geläufig, wo nicht noch geläufiger redeten und verstanden als die französische. Bei dem Ableben des Predigers Philipp Pelisson 3 im Jahre 1748 ließ der Senat aus dieser Ursache den französischen Gottesdienst eingehen, und die Predigerstelle blieb unbesetzt. Weil inzwischen seitdem, vorzüglich aber seit dem kaum geendigten Kriege, die französische Sprache wegen des herrschenden Gebrauchs derselben immer notwendiger wurde und Kanzelvorträge in derselben dem Senat eine wünschenswerte Sprachübung der Zuhörer schienen, besetzte er jene so lange erledigt gewesene Predigerstelle am 11. Januar 1769 von neuem 4 und stellte diesen Gottesdienst am 28. Mai wieder her. Zwar fehlte es an einer eigentlichen französischen Gemeinde, aber dagegen fand man diese Predigten mehrere Jahre lang desto häufiger von den angesehensten Einwohnern beiderlei Geschlechts besucht. Es war ein Sammelplatz der eleganten Welt, bis allmählich der Geschmack an einer solchen Art der Sprachübung sich so sehr wieder verlor, daß in dem Jahre 1802 dieser Gottesdienst abermals sein Ende erreichte.
8. Verschönerung der Stadt: Neue Brücken — Martinikirche — Dom — Rathaus und Börse
Auch mancherlei Verschönerungen erhielten die Stadt und verschiedene öffentliche Gebäude in ihrer äußeren Gestalt.
In der Neustadt lag ein sehr vernachlässigter kotiger Platz, der Überfahrt 1 über die Weser gegenüber, damals der Pferdemarkt genannt. Im Jahre 1763 wurde dieser hohe Gassenkot tief untergegraben, die breite und lange Gasse teils mit Wesersand, teils mit Gartenerde erhöht, dann mit vier Reihen Lindenbäumen bepflanzt, und so entstand die dortige schöne Allee 2 . Privatbeiträge lieferten dazu die Kosten.
Die unendlich vielen Fuhren während der Kriegsjahre hatten die Brücken an den Toren 3 so mitgenommen, daß sie minder oder mehr einer völligen Erneuerung bedurften. Zur Erleichterung der Ausgaben geschah diese Arbeit nur allmählich,
3 Philipp Pelisson (1696—1748) war 1737 zum Prediger der französischen Kolonie bestellt worden.
4 Zum Prediger wurde Philipp Ludwig Buch (1734-1816) aus Berlin berufen. Er wechselte 1785 zur Michaeliskirche über.
1 Überfahrt: die Ruderfähre, die die Altstadt und die Neustadt an der Stelle verband, wo 1872/75 die Kaiserbrücke, der Vorläufer der heutigen Bürgermeister-Smidt- Brücke, erbaut wurde.
2 An diese Große Allee, die jetzt das Teilstück der Langemarckstraße zwischen der Weser und der Westerstraße bildet, schloß sich dann die Neue oder Kleine Allee an, die bis an den Neustadtswall reichte (vgl. Abb. S. 131).
3 Gemeint sind die Brücken über den Stadtgraben, die später durch Dämme ersetzt wurden.
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