Druckschrift 
Geschichte der Freien Hansestadt Bremen von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Franzosenzeit / Christian Abraham Heineken. Bearb. von Wilhelm Lührs
Entstehung
Seite
135
Einzelbild herunterladen
 

der Stadt, um zwar bei eintretendem Kornmangel mit einer ansehnlichen Quantität Getreide versehen zu sein, durch ein gar zu großes Lager aber auch nicht zu kostbar zu werden, künftig aus 700 bis 800 Last Roggen bestehen solle.

7. Neues reformiertes Gesangbuch Französischer Gottesdienst

Neben diesen verschiedenen gerichtlichen und Polizeiangelegenheiten gewann der Gottesdienst in den reformierten Kirchen eine wesentliche Verbesserung durch die Einführung eines neuen Gesangbuches. Bald nach der Kirchenreformation kamen im Jahre 1525 statt der lateinischen Kirchenlieder in Bremen deutsche Gesänge in Gebrauch, die einen Luther, Melanchthon und andere vortreffliche Männer jener Zeiten zu Verfassern hatten. Im Jahre 1563 aber vermehrte man diese Sammlung mit einem zweiten Teil, der die Psalmen Davids nach Lobwassers 1 Übersetzung enthielt. Zweckmäßig und erbaulich war dieses Gesangbuch zwar in den damaligen Zeiten, der Vorstellungsart in der letzten Hälfte des 18. Jahrhunderts aber nicht mehr entsprechend, in welchem man sich dessen noch immer bediente. Beifall ver­diente daher der Entschluß des bremischen Geistlichen Ministeriums, eine Aus­wahl geistlicher Lieder der besten deutschen Dichter zu verfertigen, diese mit einigen eigenen Gedichten zu vermehren und dann in den bremischen Stadt- und Landkirchen bei dem öffentlichen Gottesdienst zu gebrauchen. Gern gab der Senat dazu die Erlaubnis am 29. Oktober 1766, und eine obrigkeitliche Verord­nung vom 9. Mai 1767 führte dieses neue Gesangbuch 2 am 7. Juni d. J. bei dem Gottesdienst ein. Lange gehörte es zu den vorzüglichsten seiner Zeit, wurde eben deswegen in manchen auswärtigen Gemeinden zum Gebrauch aufgenommen. Und wenngleich dem jetzigen Geschmack wiederum bei demselben noch verschiedenes zu wünschen übrigbleibt, wenn es auch von mehr als einer ähnlichen späteren Liedersammlung übertroffen wird, so gebührt ihm doch das unstreitige Lob, daß es zu den ersten seiner Art gehört, die dem neueren gebildeteren Geschmack der Deutschen entsprachen.

Eine andere kirchliche Begebenheit Bremens, die einer Aufbewahrung wert ist, ist zwei Jahre jünger. Schon im Anfang des 17. Jahrhunderts hatten mehrere franzö­sische Familien sich in Bremen häuslich niedergelassen und die Erlaubnis zu einem besonderen Gottesdienst erhalten, den ein eigener Prediger seit dem Jahre 1622 in der Kirche des Johannisklosters wahrnahm. Diese Familien starben jedoch nach und nach aus oder hatten sich durch Verheiratungen so sehr mit Bremern ver-

1 Ambrosius Lobwasser (15151585), Professor der Rechte in Königsberg, geistlicher Dichter, übersetzte die französische Psalmenbearbeitung von Clement Marot und Theodor Beza.

2 Neues Bremisches Psalm- und Gesangbuch zur öffentlichen und besonderen Erbauung der Reformirten Stadt- und Landgemeinen, mit Hoch-Obrigkeitlicher Bewilligung, herausgegeben von dem Bremischen Ministerio, Bremen 1767.

135