Jene Schwierigkeiten verschwanden durch Einführung der Torsperre, und da sich der für Freuden der Natur und des Landlebens so sehr empfängliche Bremer nicht verhehlen konnte, daß diese doch außerhalb der Ringmauern der Stadt noch reiner und besser genossen würden als bei dem mehr städtischen Leben in der Neustadt, so vermehrte sich von dieser Zeit an die Liebhaberei an Gärten außer der Stadt, und in eben dem Verhältnis verloren die oft teuren Gärten in der Neustadt an ihrem inneren Wert, soweit sie nicht als wirkliche städtische Wohnungen benutzt werden konnten. Außerdem erhielten sehr viele geringe Bürger durch die Torsperre Gelegenheit, sich der wohlfeileren und wegen des gewöhnlich damit verbundenen Gemüsebaues zugleich einträglicheren Wohnungen außer den Toren zu bedienen und doch dabei bis in den späten Abend ihre Arbeiten in der Stadt wahrnehmen zu können. Auch aus diesem Grunde wurden die Vorstädte seitdem immer angebauter, volkreicher, städtischer, und die dortigen Besitzungen stiegen in ihren Preisen, fanden immer mehr Liebhaber, zum offenbaren Nachteil der Altstädter, die selbst dazu durch Einführung der Torsperre die Veranlassung gegeben hatten.
3. Ausmerzung des minderwertigen Geldes — Maßnahmen wegen der Münzen
Früher als mit den Schuldentilgungsplänen kam die Heilung eines anderen Kriegsübels zustande, die Verbannung des schlechten Geldes, das immer noch tiefer sank. Schon in dem vorigen Abschnitt sind mehrere Verfügungen des Senats gegen dessen Ausbreitung in Bremen bemerklich gemacht, aber leider leisteten sie nicht den gehofften Erfolg. Während des Krieges hatten die Lebhaftigkeit des Handels und die Leichtigkeit, mit der dieses Geld aus einer Hand in die andere überging, alle obrigkeitlichen Vorkehrungen gegen dessen Einführung und Zirkulation minder oder mehr vereitelt, obschon es Scheidemünzen gab, die, wie z. B. die preußischen sogenannten Roten Schillinge, nichts wie bloßes Kupfer enthielten und doch als Silbermünzen von sechs- bis siebenmal so hohem Wert galten. Die Anzahl und Schlauheit der Verführer, die scheinbaren Reize des Vorteils waren zu groß, als daß nicht manche Kurzsichtige, aller Warnungen ungeachtet, sich hätten betören lassen, daß nicht manche Gewinnsüchtige durch ihren Spekulationsgeist verleitet wären, auf Gefahr eines ansehnlichen Verlustes und der obrigkeitlichen Bestrafung ihr Glück zu versuchen. Ja, es ist kaum zu glauben, wie vielerlei Gattungen der Einwohner, von manchem Herrn in der Kutsche an bis, im wörtlichsten Verstände, auf den Kutscher herab, der auf dem Bock saß, sich mit der Geldwechselei besonders während der letzten Kriegsjahre beschäftigten.
Wie nach hergestelltem Frieden der Handel wieder in seine gewöhnlichen Gleise zurücktrat, wie also der schnelle Umsatz fehlte, schien man auf einmal aus einem Traum zu erwachen. Nun, da man sich dessen nicht so leicht wieder entledigen konnte, berechnete man kaltblütiger, wie wenig wahrer, innerer Wert in den so mannigfaltigen neuen, vorzüglich den Silbermünzen enthalten, wie bloß einge-
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