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Geschichte der Freien Hansestadt Bremen von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Franzosenzeit / Christian Abraham Heineken. Bearb. von Wilhelm Lührs
Entstehung
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19. Dezember 1762 eines der hölzernen Hospitäler auf dem Wall durch Unvor­sichtigkeit der Engländer herunter. Am 25. Mai 1763 brannten durch Unachtsam­keit eines benachbarten Häuslings der ganze Barkhof 4 und das gegenüberliegende Haus des Kuhhirten auf der Bürgerviehweide 5 ab. Und am 2. Juli wurde eine Loh­mühle auf dem Wall, unfern der Bischofsnadel, eingeäschert.

16. Einfluß der Kriegsbegebenheiten auf Bremens Lebensart und Sitten: Luxus Speisen und Getränke Mode Abendbeerdigungen Theater

Doch, ehe wir in der Erzählung der Zeitbegebenheiten fortschreiten, hier noch erst einige allgemeine Bemerkungen. Das endlich sich selbst wieder überlassene Bremen war nicht mehr ganz das vorige Bremen. Manche Veränderungen in Sitten, Geschmack und Denkungsart erzeugten die Zeitumstände und hinterließen blei­bende Folgen.

Die alliierte Armee befand sich die meiste Zeit, oft auch die französische, in sol­chen Stellungen, daß sie, wo nicht mit den meisten, doch mit sehr vielen ihrer Bedürfnisse aus Bremen versorgt werden mußte. Natürlich gab dieses dem Handel im großen während der Kriegsjahre einen lebhafteren Schwung. Die beständige Anwesenheit so vieler tausend Fremden, von denen wenige die Sparsamkeit als eine Lieblingstugend verehrten und unter denen es wenigstens den Engländern selten an Barschaften fehlte, vergrößerte zugleich den täglichen Absatz der Klein­händler. Und es ist nicht zu leugnen, daß sich das Vermögen der bremischen Bürger in den letzten sechs Jahren bedeutend vermehrt hatte. Dieses und der vorher kaum gekannte tägliche Umgang mit den Fremden jeden Standes verfehlte nicht, seine naürlichen Folgen in Geschäften, Lebensart und Sitten zu zeigen. Der vermehrte Umsatz hatte an größere Unternehmungen gewöhnt, der ver­größerte Geldumlauf und der fast sichere Gewinn, verbunden mit dem schon Erworbenen, gaben hierzu die Kräfte. Bei einer und eben derselben Unternehmung genügten dem Sohn selten die Grenzen, die der Vater zu überschreiten noch nicht

4 Der 1159 zuerst urkundlich erwähnte Barkhof (d. h. Birkenhof) war ein erzbischöf­licher Meierhof, der 1648 an Schweden und 1720 an Hannover fiel. Er wurde nach dem Brand von 1763 wieder aufgebaut, 1872 aber abgebrochen. Die auf seinem Gelände angelegte Straße Am Barkhof erinnert an ihn.

5 Die Bürgerweide (pascua civium) war jahrhundertelang der wertvollste Landbesitz der Stadt (vgl. auch S. 311 f.). Mit einer Größe von ca. 450 ha erstreckte sie sich ursprünglich über ein Gebiet, das etwa von den heutigen Straßenzügen An der Weide, Breitenweg, Hemmstraße, Wetterungsweg und Parkallee begrenzt wird. Im Laufe der Zeit schrumpfte ihr Umfang; 1797 maß sie 310 ha. Auf dem Teil ihres Areals, der bis zuletzt als Weide diente, wurden ab 1866 der Bürgerpark und ab 1907 der Stadtwald angelegt. Diese decken eine Fläche von 202,5 ha. Die jetzige Bezeichnung Bürgerweide für den Platz zwischen Gustav-Deetjen-Allee und Fin­dorffstraße geht auf das Jahr 1935 zurück.

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