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Geschichte der Freien Hansestadt Bremen von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Franzosenzeit / Christian Abraham Heineken. Bearb. von Wilhelm Lührs
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und einige hundert in den Vorstädten. Alle diese fielen doch neben dem fremden Militär den Einwohnern durch Einquartierung, Ernährung usw. minder oder mehr zur Last. Und um desto mehr verdient es einer ehrenvollen Erwähnung, daß die menschenliebende wohltätige Gesinnung, wodurch sich Bremens Bürger stets aus­zeichneten, selbst in diesen trüben Zeiten und bei so vielen anderen Belästigungen nicht erkaltete. Eine öffentliche Sammlung für das Armenhaus trug im Januar d. J. (1762) 2182 Taler, eine andere für das Blaue Waisenhaus 1129 Taler und eine dritte zur Unterstützung derjenigen armen Anwohner des Punkendeichs 10 , die diesen im Februar durch das hohe Wasser äußerst beschädigten Deich aus eigenen Kräften nicht gründlich herstellen konnten, 2311 Taler ein.

15. Friede Abzug der fremden Truppen

Die erste Erleichterung von den bisherigen Lasten erhielt Bremen dadurch, daß man am 6. September das hessische Lazarett nach Rinteln verlegte. Noch heller wurden die Aussichten, als zwei Monate später Frankreich und England am 3. November den so lange ersehnten Frieden zu Fontainebleau 1 unterzeichneten. Als Folge desselben marschierte schon am 6. Dezember die hannoversche Besat­zung aus Bremen.

Herzlich ertönten mit dem Anfange des Jahres 1763 zur Ehre des Höchsten die Lob- und Danklieder in Bremen, wie die damals noch hannoversche Domkirche am 6. Januar das Fest des kaum abgeschlossenen englisch-französischen Friedens feierte. Und dennoch war es für Bremen selbst noch kein eigentliches Fest, nur dessen Vorbote. Noch immer blieben nicht bloß das südliche Deutschland, sondern selbst die uns näher liegenden preußischen Provinzen, die Frankreich besetzt hatte und jetzt Österreichern einzuräumen nicht abgeneigt war, den Kriegsbedrückun­gen bloßgestellt. Endlich erschienen die frohen Augenblicke, die ganz Deutsch­land die lange entbehrte Ruhe wieder schenkten. Der 10. und 15. Februar waren

10 Punkendeich hieß das zwischen den heutigen Straßenzügen Siel wall und Deichstraße gelegene Teilstück des alten Weserdeichs, des Vorläufers des Osterdeichs. Nach dem Bremisch-Niedersächsischen Wörterbuch von 1767/71 (S. 47, Anm. 4) war der Punkendeich ehemals unzüchtiger Personen wegen übel berüchtigt. Engl. Punk, eine gemeine Hure, prostibulum. 1 Die seit dem Frühjahr 1762 in Gang befindlichen Verhandlungen zwischen Frank­reich und England wurden am 3. November 1762 durch die Präliminarien von Fontainebleau zum Abschluß gebracht, so daß kurze Zeit später der Friedensvertrag von Paris unterzeichnet werden konnte.

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