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Geschichte der Freien Hansestadt Bremen von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Franzosenzeit / Christian Abraham Heineken. Bearb. von Wilhelm Lührs
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14. Verhalten auswärtiger Mächte und ihrer Beamten gegen Bremen

Diese fortwährende militärische Besetzung der Stadt mit englischen und verbünde­ten Truppen erregten bei der Allianz, die Spanien und Frankreich im Jahre 1761 abgeschlossen hatten, die Besorgnis der bremischen Kaufmannschaft, daß Spanien die bremischen Schiffe wegnehmen würde, die es in seinen Häfen oder auf der See antreffe. Allein der hanseatische Resident in Madrid erhielt von dem Staats­minister die beruhigende Versicherung, daß Bremen, wenn auch von den Feinden okkupiert, dennoch gleich den neutralsten Nationen behandelt werden solle. Fast in dem nämlichen Augenblick, wie diese frohe Botschaft aus Süden erschallte, erregte ein böser Genius im tiefsten Norden einen gar nicht geahnten Gedanken zum Untergang der Freiheit Bremens. Peter III., Kaiser von Rußland 1 , hatte unter so manchen großen Veränderungen, die durch ihn in dem nördlichen Deutschland ausgeführt werden sollten, sich auch den Plan ausgedacht, daß der König von England für die Beihilfe, die er sich von ihm in seinem vorhabenden Feldzug gegen Dänemark versprach, als Kurfürst von Hannover unter anderen Belohnungen auch die Reichsstadt Bremen bekommen solle. So fand sich wenig­stens dieses Projekt unter seinen nachgelassenen Papieren. Aber der schnelle Tod dieses unglücklichen Fürsten (17. Juli 1762) 2 befreite Bremen von einer solchen unbewußten Gefahr, wenn sonst dieser damalige, fast abenteuerliche russische Länderteilungsplan nicht ohnehin Hindernisse in seiner Ausführung würde gefunden haben.

Dagegen behandelten manche Machthaber und Offiziere bei den Alliierten Bremen schon als eine völlig eroberte, zum Waffenplatz bestimmte Stadt, als eine immer­währende Besitzung ihres Monarchen 3 . Bereits mit dem Anfang des Jahres 1762 verlangte man nicht nur durch den Major von Hardenberg die Einräumung des Kornhauses, des Zeughauses, der Hopfenkirche 4 und des Bodens auf dem Schütting zur Niederlage des Getreides, das zum Gebrauch der Armee bestimmt sei, sondern sogar täglich 50 Mann zu den Magazinarbeiten des damaligen Hauptlieferanten der Armee, des Kommerzienrats und nachherigen Geheimen Rats von Uckermann 5 , und zehn bespannte Fuhrleutewagen. Im März aber führte der Kommissar Wier, unterstützt von dem Obersten du Cosne, eine Beschwerde, daß ihm die Einwohner die Böden ihrer Häuser zum Kornlagern nicht so wohlfeil vermieten wollten, wie

1 Kaiser Peter III. von Rußland (1728-1762) regierte 1762.

2 Peter III. wurde gestürzt und kam acht Tage später unter niemals ganz geklärten Umständen ums Leben. Seine Gattin, die deutsche Prinzessin Auguste von Anhalt- Zerbst (17291796), ließ sich zur Kaiserin ausrufen und regierte als Katharina II. von 1762 bis 1796.

3 D. h. des Königs von England.

4 Die Wilbadikirche, die südlich des Doms auf dem Areal stand, das heute der Börsen­hof A und die Börsenpassage einnehmen, wurde nach der Reformation zum Zeug­haus gemacht. Als man dieses um 1598 in die geräumigere Katharinenkirchc verlegte, wurde die Wilhadikirche als Hopfenlager eingerichtet. Daher hieß sie später im Volksmund Hoppenkarke oder Hopjenkirche.

5 Johann Jacob von Uckermann Freiherr zu Bendeleben (17181781).

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