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Geschichte der Freien Hansestadt Bremen von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Franzosenzeit / Christian Abraham Heineken. Bearb. von Wilhelm Lührs
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bekamen den Unterricht in den Häusern der Lehrer, welche man für diese Belästi­gung nachher entschädigte.

Währenddem man auf solche Weise die Stadt je länger, je mehr mit Kranken anzufüllen suchte, legte der englische Kommissar Mamberger von dem Juni d. J. an ein großes Heumagazin teils auf dem Neustadtsdeich, teils in der jetzigen Allee 15 an, ohne sich um die ihm dawider gemachten Widersprüche zu beküm­mern.

12. Mißlungener französischer Überfall

Allen diesen Magazinen und Lazaretten mehr Sicherheit zu geben, als man von dem bremischen Militär sich versprach, verlangte der Oberstleutnant Mompesson schon gegen Ende des Junis zur Bewachung der Tore und Magazine eine Be­satzung, die er aus den Rekonvaleszenten zu errichten gedachte, und am 6. Juli bemächtigte sich ein Kommando von 80 Engländern des Buntentors. Am 29. August hatten das Hohe- und Herdentor das nämliche Schicksal, doch blieben an jedem dieser Tore einige Mann von dem bremischen Militär. Wie aber die Alliierten Spuren bekamen, als ob die Franzosen wirklich einige Absichten auf die Magazine und Hospitäler in Bremen gerichtet hätten, fingen sie am 1. Okto­ber eine Verstärkung der Außenwerke des Werdertors 1 und die Anlegung dortiger neuer Batterien an, bemächtigten sich des Schießpulvers und der Gewehre im Zeughause und ließen das Freibataillon Pentz von der sogenannten Britischen Legion nebst einigen leichten Dragonern einrücken.

In der Tat waren auch dergleichen Vorsichtsmaßregeln nicht überflüssig und die immer steigenden Besorgnisse der Bremer nicht unbegründet, daß außer der Gefahr, die ansteckenden Krankheiten durch die vielen zusammengehäuften Lazarette noch mehr verbreitet zu sehen, die Stadt wegen dieser vielen so sorglos bewahrten Hospitäler und der Magazine einen unerwarteten Besuch der Franzosen zu be­fürchten habe, die eine Truppenkette durch das Münstersche bis in Ostfriesland hinunter gezogen hatten.

Vier französische Regimenter drangen, um Bremen im Rücken der alliierten Armee unversehens zu überfallen, in der Nacht vom 2. auf den 3. Oktober schon bis Harpstedt vor, ein vorausgeschicktes Detachement hatte bereits das auf dem Außenposten zum Kattenturm 2 stehende englische Piquet 3 in möglichster Stille

15 Über die Allee in der Neustadt vgl. S. 136, Anm. 2.

1 Das unmittelbar an der Weser gelegene Stadttor auf dem Werder.

2 Der urkundlich zuerst 1390 erwähnte Kattenturm, ein festes steinernes Gebäude mit einer Zugbrücke, deckte die von Bremen nach Süden führende Straße an ihrem Übergang über die Ochtum.

3 Eine Feldwache, die den Feind zu beobachten und einen plötzlichen Überfall zu verhüten hatte.

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