Druckschrift 
Geschichte der Freien Hansestadt Bremen von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Franzosenzeit / Christian Abraham Heineken. Bearb. von Wilhelm Lührs
Entstehung
Seite
94
Einzelbild herunterladen
 

mehrere Male zwar wiederholt, aber ebensooft verweigert und kam endlich in Vergessenheit.

So endete noch in ziemlicher Ruhe das Jahr 1760; desto verhängnisvoller wurde das folgende. Schon im Anfang desselben hatte die Stadt das Unglück, daß ein Deichbruch bei Hemelingen am 21. Februar, ein noch schwererer aber am 26. bei Habenhausen die umliegenden Ländereien stundenweit unter Wasser setzte. Durch eine Uberströmung der Neustadt am 25. Februar hatten die dortigen niedrigen Gärten vier Wochen lang das nämliche Schicksal; und der Steinweg außerhalb des Buntentors 9 wurde durch das Wasser so verwüstet, daß man an dessen Her­stellung bis in den Herbst arbeiten mußte. Bald zeigten sich auch wieder Kriegs­bedrückungen aller Art.

11. Engländer in Bremen Einrichtung von Lazaretten Beschlagnahme öffentlicher Gebäude

Die von Zeit zu Zeit nach Deutschland gekommenen britischen Truppen landeten zu Bremerlehe 1 und waren bis dahin durch Bremen bloß durchmarschiert. Am 23. April 1761 mußte aber der Rat der Bürgerschaft eröffnen, daß ein Korps gelandeter Engländer schlechterdings in der Stadt einquartiert werden solle. Ein Schreiben des Generalquartiermeisters Watson 2 bestimmte die Anzahl auf 5000 Mann, und ohne Rücksicht auf alle Gegenvorstellungen, die man bei ihm machte, rückten 2000 Mann am 14. April wirklich ein, zu welchen am 19. April noch 1700 Mann und 700 Mann Bergschotten kamen. Am folgenden Tage marschierten diese zwar weiter, und die übrigen folgten ihnen am 5. Mai sämtlich nach. Statt ihrer aber traf am 12. Mai die englische Kriegskanzlei ein, die in der Neustadt ihr Quartier erhielt.

Eine Order des Herzogs Ferdinand aus dem Hauptquartier zu Neuhaus vom 16. Mai erklärte, daß zu schnellerer Beförderung des Transports aller Erfor­dernisse der Armee alle Schiffe auf der Weser bloß für den Transport zum Dienst der Armee bestimmt wären und kein Schiffer mehr als den sechsten Teil seiner Ladung an Kaufmannsgütern einnehmen solle. Diese gedruckte Order ent­hielt zugleich mehrere Vorschriften für die Schiffer zur Vermeidung aller Ver­zögerungen und eine Tabelle der zugestandenen Frachten für jede Getreidegattung und für Heu.

War diese Anordnung des Herzogs als eine Belästigung des Handels schon unan­genehm, so mußte es eine andere, beinahe gleichzeitige, noch mehr sein wegen der mancherlei traurigen Folgen, die sie für die Stadt haben konnte. Dieses war die Anlegung von Lazaretten in ihren Ringmauern. Schon am 6. April 1761 hatte

9 Über den Buntentorsteinweg vgl. S. 139, Anm. 3.

1 Wohl wegen seiner Lage im Herzogtum Bremen wurde der Flecken Lehe (heute Bremerhaven-Lehe), besonders auswärts, Bremerlebe genannt.

2 David Watson (ca. 17131761), englischer General.

94