mäßig Bremen am 6. August nach Herzog Ferdinands Sieg bei Minden am 1. August 9 .
Statt dessen bedrohte man in der nämlichen Zeit die Stadt mit einem Lazarett in ihren Ringmauern, welches von Stade verlegt werden sollte. Man beschloß, hierüber die Gewalt abzuwarten; und diese Anmutung unterblieb. Man mußte jedoch dafür noch in dem nämlichen Monate wenigstens Anstalten treffen, in der Vorstadt außerhalb des Steintors eine Anzahl englischer Kranker unterzubringen, die aber nach einigen Tagen weitertransportiert wurden und daher wohl nicht für die Ursache der Ruhrepidemie anzunehmen sind, die in dem Herbst dieses Jahres in Bremen so stark um sich griff.
9. Innere Angelegenheiten: Finanzen — Suspension und Wiederherstellung der Zweiunddreißiger Deputation — Schlechtes Geld — Gassenreinigung — Bergenfahrer-Sozietät
So von den fremden Kriegern auch für dieses Mal wieder befreit, konnte man den inneren Angelegenheiten der Stadt wieder desto mehr Aufmerksamkeit widmen, und die dazu verstattete Frist verfloß nicht ungenutzt. Einer der wichtigsten Gegenstände unter ihnen war auch dieses Mal die noch immer unbeendigte Wiederherstellung der Ordnung in den Finanzen.
Schon am 14. Dezember des vorigen Jahres hatten die Deputierten des Senats die Ursachen der Rückstände bei den in Frage gekommenen Verwaltungen der Zweiunddreißiger Deputation mitgeteilt und diese dagegen ihre Vorschläge, wie den vorgelegten Verwaltungen für jetzt und künftig geholfen werden könne, am 6. September d. J. (1759) übergeben, um solche dem Senat und der Bürgerschaft vorzulegen.
Diese Vorschläge gingen dahin: Der Vorschuß der Zahlkommissare 1 bei dem Militäretat mit 79 357 Taler, die Forderungen des Kornhauses mit 6982 Taler wegen unbezahlt gebliebenen Roggens an das bremische Militär und wegen des Branntweinkorns mit 1090 Taler, der Vorschuß des Ratsweinkellers 2 an die Konsum-
9 Durch den Sieg, den Ferdinand von Braunschweig am 1. August 1759 bei Minden über Broglie und Contades errang, entlastete er Preußen in einer besonders kritischen Phase des Krieges.
1 Für das Stadtmilitär bestand eine aus vier Ratsherren — den Kriegskommissaren — und vier Bürgern — den Zahlkommissaren — zusammengesetzte Deputation, die Kriegskammer, die in einem gleichnamigen Zimmer des Rathauses tagte. Aufgabe der Zahlkommissare, deren Amt halbjährlich wechselte, war es, die Soldaten zu besolden und im Militärwesen anfallende Rechnungen zu begleichen. Wenn das ihnen von der Konsumtionskammer gezahlte Geld nicht reichte, mußten sie die Differenz aus ihrem eigenen Vermögen vorschießen.
2 Der Ratskeller erlebte in der Periode von 1750 bis 1800 eine Blütezeit und brachte daher der Stadt, in deren Händen die Verwaltung und der Weinausschank lagen, beträchtlichen finanziellen Gewinn.
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