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Geschichte der Freien Hansestadt Bremen von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Franzosenzeit / Christian Abraham Heineken. Bearb. von Wilhelm Lührs
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löhner u.dgl. in anderen als in jenen für gut erklärten Münzsorten zu bezahlen. Auch machte er eine nachherige kaiserliche Verordnung vom 13. August wegen jenes Unwesens, das sich über ganz Deutschland verbreitete, durch öffentlichen Anschlag bekannt und entfernte nicht nur viele in der Stadt sich aufhaltende Fremde, denen man die Anhäufung des schlechten Geldes vorzüglich zuschrieb, sondern untersagte auch durch ein Verbot vom 21. November den künftigen Aufenthalt solcher Per­sonen in Privathäusern ohne obrigkeitliche Erlaubnis.

8. Zweite Besetzung Bremens durch die Hannoveraner Beschlagnahme und Abtransport der Kanonen

Doch nur zu kurze Zeit genoß Bremen der wieder heimgekehrten Ruhe. Zwar hielt man es noch gegen die Mitte des Jahres für so sicher, daß Landgraf Wil­helm VIII. von Hessen-Kassel, dessen Länder die Franzosen nach dem Siege bei Bergen 1 (13. April 1759) allmählich wieder überschwemmten und der sich daher in Rinteln 2 nicht mehr für sicher hielt, am 13. Juni wieder hierher zurückkehrte, aber der Herzog Ferdinand blieb doch auf alle wiederholten Neutralitätsanträge immer nur bei allgemeinen Versicherungen. Mit dem Vordringen der Franzosen nach der unteren Weser wurden die englische Kriegskasse nach Bremen, viele Bagage und Blessierte nach Vegesack gebracht. Einige hundert Mann preußischer Husaren erhielten am 13. Juli Gröpelingen zu ihren Quartieren angewiesen; und am 15. Juli 1759 überfiel der hannoversche General von Dreves nach einem forcierten Marsch von Vechta die Stadt, durch Sorglosigkeit des wachhabenden Offiziers 3 am Bunten- tor, mit vier Regimentern oder 4000 Mann Hannoveranern, um dem Herzog von Contades 4 zuvorzukommen, der, nach der Versicherung des Herzogs Ferdinand, durch den Marquis d'Armentieres eine Absicht auf Bremen gehabt habe. Drei Tage nachher reiste der Landgraf von Hessen-Kassel wieder weg. Hatte diese bis zum Ausbruch des gegenwärtigen Krieges nie gekannte Last sol­cher Einquartierungen den Bürger schon verstimmt, so wäre dieses bald noch weit mehr geschehen, als der hannoversche Intendant Danckwerth die ehemalige Drohung des Herzogs Ferdinand in Ausführung gebracht wissen wollte, daß alle ehemals hochstiftischen Kurien und Häuser selbst dann, wenn sie auch an Bürger vermietet wären, von Einquartierung frei bleiben müßten. Auf dieses Verlangen

1 Bei Bergen in der Nähe von Frankfurt fügte die französische Mainarmee unter Broglie am 13. April 1758 den alliierten Truppen eine Niederlage bei.

2 Rinteln war mit einem Teil der Grafschaft Schaumburg 1647 an Hessen-Kassel gefallen und von den Landgrafen zu einer Festung ausgebaut worden.

3 Der Offizier, der die Buntentorswache kommandiert hatte, war Johann Georg Meinhard, Leutnant in der bremischen Garnison. Ehe das Kriegsgericht, vor das er gestellt wurde, sein Urteil fällen konnte, beging er Selbstmord.

4 Louis Georges Erasme Marquis von Contades (17041795), französischer Marschall.

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