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Geschichte der Freien Hansestadt Bremen von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Franzosenzeit / Christian Abraham Heineken. Bearb. von Wilhelm Lührs
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6. Erleichterungen Verhandlungen mit Hannover über die Neutralität

Mit diesem Opfer schien aber auch Bremens widriges Schicksal für dieses Mal versöhnt zu sein. Mit Zurücklassung eines kleinen Kommandos von einigen hundert Rekruten zur Bewachung des vorhandenen französischen Lazaretts verließen alle Hannoveraner am 9. April Bremen, um sich mit der alliierten Armee zu verbinden, wo sie der Herzog besser gebrauchen konnte. Acht Tage nachher wurden jene Rekruten zwar von 400 Mann des Alt-Zastrowschen Regiments abgelöst, dagegen jedoch das kaum erwähnte Hospital am 18. April nach Verden transportiert, und am 28. desselben Monats erhielten die abgeführten Geiseln Erlaubnis, von Stade zurückzureisen. Auch war es indessen dem Senat durch unablässige Bemühungen endlich gelungen, sowohl von dem französischen als preußischen Hof die Zusiche­rung einer völligen Neutralität unter der Bedingung zu erhalten, wenn auch Hannover eine solche zustehen würde. Aber eben dieses blieb unerreichbar, ungeachtet alles Bestrebens und ungeachtet des Vorworts mehrerer anderer Höfe. Das hannoversche Ministerium nahm es sogar übel, daß man den Plan gehabt habe, eine solche Neutralität, sobald sie zugestanden sei, durch freiwillige temporäre Aufnahme einer neutralen dänischen Besatzung noch mehr zu sichern, und ver­langte daher vor dem Abmarsch der kleinen Besatzung, die sich noch in Bremen befand, einen Revers, daß die Stadt niemals einige fremde Völker, von welcher Macht oder von welchem Reichsstande sie auch sein möchten, ohne Wissen und Gutfinden des Königs oder dessen Minister einnehmen, dagegen den kurfürstlichen Truppen, sooft diese es nötig erachten würden, die Tore öffnen und bei sich aufnehmen wolle.

Auf des Rats Antwort vom 4. Juni, daß dieses den Reichspflichten entgegen sei, daß man jedoch den kurfürstlichen Truppen in diesem Kriege vorzugsweise die Tore öffnen wolle, zeigte sich das Ministerium zwar nicht abgeneigt, das letzte Versprechen anzunehmen, die Neutralitätserklärung aber sollte dennoch bis auf weitere Verhandlungen hinausgesetzt werden. Der Rat eröffnete daher diese Lage der Sache der Bürgerschaft am 6. Juli, und nach zweimaliger Beratschlagung, nach erfolgten harten Drohungen des Ministeriums, die Besatzung wieder zu verstärken, den Hafen 1 zu versperren, neue Geiseln abzuführen und es überhaupt schon so einzurichten, daß der Feind niemals wieder einen Waffenplatz aus Bremen machen könne, vereinigten sich zuletzt Rat und Bürgerschaft am 17. Juli dahin, eine Ver­sicherung zu geben, daß die Stadt während dieses Krieges mit ihrem guten Willen keine Völker von irgendeiner Macht einnehmen wolle, wenn dagegen Hannover die noch zurückgebliebene Besatzung aus Bremen jetzt herausnehmen werde. Mit dieser Erklärung, die bei genauer Prüfung sehr wenig sagte, befriedigte sich das Ministerium. Die Truppen, die sich noch in Bremen befanden, brachen auf und eilten der großen alliierten Armee zu, die am Rhein gegen den Marschall von Belle-Isle 2 stand.

1 Mit Hafen ist stets der 1619/22 angelegte Hafen von Vegesack gemeint.

2 Charles Louis August Fouquet Herzog von Belle-Isle (16841761), französischer Marschall, dann Kriegsminister.

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