sehen Uberfalls für die gefährlichste ansah, das Buntentor verschlossen hielt und am Hohentor die Pässe der Ankommenden durch einige Mitglieder des Senats untersuchen ließ, die sich abwechselnd dort aufhalten mußten. Welche Vorsichtsmaßregeln sich noch mehr rechtfertigten, als Hannover gleich nachher anfing, die damalige Burgschanze 14 stärker zu befestigen und mit einem Außenwerk zu versehen, wodurch die kriegerischen Zurüstungen der Stadt sehr nahe kamen. Wenige Wochen darauf (26. Juli) verlor der Herzog von Cumberland gegen den Marschall d'Estrees die Schlacht bei Hastenbeck 15 unfern Hameln. So unbedeutend diese an sich war, so bedeutend wurde sie durch die Folgen, indem der Herzog bekanntlich das ganze Hannoversche dem Sieger preisgab und sich, ungeachtet aller Vorstellungen seiner Generäle, bis nach Stade zurückzog. Dahin waren die hannoverschen Archive und andere Sachen von Wert gebracht; aber dort sah der Herzog sich von dem Feind, der ihn verfolgte, bald eingeschlossen und von der Elbe abgeschnitten. Auf dieser Retirade verlangte ein hannoversches Korps, das am 18. August vor dem Steintor ankam, ohne alle sonstige gehörige Requisition 18 einen Durchmarsch durch die Stadt, zog jedoch, da man dieses Verlangen abschlug, hinter der Bürgerweide 17 weg durch die Hemmstraße nach Burg. Welche Verweigerung das hannoversche Staatsministerium sehr übel aufnahm.
2. Erste Besetzung Bremens durch die Franzosen — Konvention von Kloster Zeven
Jetzt löste der Herzog von Richelieu 1 den Marschall d'Estrees in dem Kommando ab und verfolgte die Armee der Alliierten. Eine vertraute Person berichtete am 28. August aus Verden, daß ein französisches Korps in Marsch und höchstwahrscheinlich nach Bremen bestimmt sei, wo man auf diese Nachricht gleich die Tore verschloß. Am anderen Morgen erhielt ein Mitglied des Senats die zuverlässige Kunde, daß ein starkes Korps französischer Truppen in wenigen Stunden in die
14 Burg, im Laufe der Jahrhunderte oft umkämpft und seit 1741 de jure in hannoverschem Besitz, bestand um diese Zeit im wesentlichen nur aus der Befestigungsanlage, der Schanze, die den (einzigen) in das nördliche Herzogtum Bremen führenden Weg und den Übergang über die Lesum schützte. Vgl. Abb. S. 223.
15 Bei Hastenbeck südöstlich von Hameln unterlag am 26. Juli 1757 der Herzog von Cumberland mit 36 000 Mann infolge seines eigenen voreiligen Rückzugsbefehls den 74 000 Franzosen unter Marschall d'Estrees.
16 Requisitionen waren die auf einer Ermächtigung des zuständigen Befehlshabers beruhenden Forderungen an die Behörden eines kriegerisch besetzten Gebietes, insbesondere das Verlangen und die Inanspruchnahme von Sach- und Dienstleistungen der Einwohner für die Bedürfnisse der fremden Truppen.
17 Über die Bürgerweide vgl. S. 106, Anm. 5.
1 Louis Francois Armand du Plessis Herzog von Richelieu (1696—1788), französischer Marschall.
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