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Geschichte der Freien Hansestadt Bremen von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Franzosenzeit / Christian Abraham Heineken. Bearb. von Wilhelm Lührs
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6. Differenzen mit der hannoverschen Regierung: Kurien Korbinsel Münzprägung

Auch in politischer Rücksicht ereigneten sich während dieser Periode einige nicht ganz angenehme Vorfälle. Kleine Irrungen wegen der ehemaligen hochstiftischen Kurien 1 gaben schon längere Zeit her den Stoff zu einem Briefwechsel mit der be­nachbarten hannoverschen Regierung. Zwar waren einige solcher Kurien durch Verkauf in Privathände gekommen, und die Stadt selbst hatte Gelegenheit gefun­den, zwei derselben, die auf Unser Lieben Frauen Kirchhof lagen, im März 1756 durch Kauf an sich zu bringen, auf deren Platz man teils ein Packhaus für den Ratsweinkeller, teils eine Wohnung des Kanzleipedells erbaute. Aber selbst in solchen veräußerten Kurien behielt sich Hannover immer einige Gerechtsame aus­drücklich vor; und noch viel strenger hielt es auf die behaupteten ehemaligen Rechte des Hochstifts in den nicht veräußerten, bloß vermieteten Häusern des hohen Kapitels. Hieraus entstanden dann manche Mißverständnisse und kleine Irrungen. Gern hätte der Senat diese verebnet gesehen, aber umsonst sandte er in dieser Ab­sicht den Syndikus Otto im Oktober 1752 nach Hannover und im März des folgen­den Jahres nach Stade. Der Zweck blieb unerreicht, weil man der Stadt keinerlei Superiorität über solche Kurien und deren Zubehör einräumen wollte. Ein ernsthafteres Ansehen gewann indessen ein Streit, den eine neue Insel in der Weser erregte 2 . Unmittelbar vor dem Weserufer der Dorfschaft Arsten entstand diese durch aufgeworfenen Sand. Der Senat betrachtete sie als ein unstreitiges natürliches Eigentum der Stadt, weil der ganze Weserstrom sie von dem gegen­überliegenden hannoverschen Ufer der Dorfschaft Hemelingen trennte; und er ließ sie als Zeichen der Besitznahme mit Wiedbusch 3 bepflanzen. Anders dachte aber der mehr erwähnte hannoversche Intendant Danckwerth, der sie einige Zeit nachher (1750) als ein Zeichen hannoverscher Oberherrschaft über dieselbe gleich­falls mit Weiden bepflanzen ließ. Da dieses in der Stille und ohne förmliche An­zeige geschah, so glaubte der Rat solches unbemerkt lassen zu können, um einen Streit mit diesem gefährlichen Mann solange wie möglich zu vermeiden. Wie er aber im Jahre 1753 Anstalten machte, den gewachsenen Busch öffentlich schnei­den und verkaufen zu lassen, da schien es dem Senat, daß er nicht länger schweigen dürfe, und er suchte das Recht der Stadt dadurch zu behaupten, daß er durch einige Bauern und Tagelöhner dieses Wied abschneiden und wegführen ließ. Kaum war dieses geschehen, als ein höchst lebhafter Streit über die Frage entstand, ob Hanno­ver oder Bremen der natürliche Eigentümer dieser Sandbank sei. Eine Frage, die

1 Kurien hießen ursprünglich die oft mehrere Wohn- und Wirtschaftsgebäude umfas­senden Höfe in der Altstadt, die sich im Besitz des Domkapitels oder einzelner Kanoniker befanden. Nach der Säkularisation blieb der Ausdruck als Bezeichnung für die bedeutenderen schwedischen bzw. hannoverschen Häuser (Königliche Kurien) gebräuchlich.

2 Die Halbinsel vor dem Arster und Habenhauser Weserdeich nahe dem sog. Korbhaus (wohl von Korb = Weidengeflecht) erhielt den Namen Korbinsel. Lange Zeit wurde sie auch Arster Streitsand genannt.

3 Wiedbusch: niedrige zähe Weide, aus deren Ruten Körbe geflochten wurden.

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