6. Differenzen mit der hannoverschen Regierung: Kurien — Korbinsel — Münzprägung
Auch in politischer Rücksicht ereigneten sich während dieser Periode einige nicht ganz angenehme Vorfälle. Kleine Irrungen wegen der ehemaligen hochstiftischen Kurien 1 gaben schon längere Zeit her den Stoff zu einem Briefwechsel mit der benachbarten hannoverschen Regierung. Zwar waren einige solcher Kurien durch Verkauf in Privathände gekommen, und die Stadt selbst hatte Gelegenheit gefunden, zwei derselben, die auf Unser Lieben Frauen Kirchhof lagen, im März 1756 durch Kauf an sich zu bringen, auf deren Platz man teils ein Packhaus für den Ratsweinkeller, teils eine Wohnung des Kanzleipedells erbaute. Aber selbst in solchen veräußerten Kurien behielt sich Hannover immer einige Gerechtsame ausdrücklich vor; und noch viel strenger hielt es auf die behaupteten ehemaligen Rechte des Hochstifts in den nicht veräußerten, bloß vermieteten Häusern des hohen Kapitels. Hieraus entstanden dann manche Mißverständnisse und kleine Irrungen. Gern hätte der Senat diese verebnet gesehen, aber umsonst sandte er in dieser Absicht den Syndikus Otto im Oktober 1752 nach Hannover und im März des folgenden Jahres nach Stade. Der Zweck blieb unerreicht, weil man der Stadt keinerlei Superiorität über solche Kurien und deren Zubehör einräumen wollte. Ein ernsthafteres Ansehen gewann indessen ein Streit, den eine neue Insel in der Weser erregte 2 . Unmittelbar vor dem Weserufer der Dorfschaft Arsten entstand diese durch aufgeworfenen Sand. Der Senat betrachtete sie als ein unstreitiges natürliches Eigentum der Stadt, weil der ganze Weserstrom sie von dem gegenüberliegenden hannoverschen Ufer der Dorfschaft Hemelingen trennte; und er ließ sie als Zeichen der Besitznahme mit Wiedbusch 3 bepflanzen. Anders dachte aber der mehr erwähnte hannoversche Intendant Danckwerth, der sie einige Zeit nachher (1750) als ein Zeichen hannoverscher Oberherrschaft über dieselbe gleichfalls mit Weiden bepflanzen ließ. Da dieses in der Stille und ohne förmliche Anzeige geschah, so glaubte der Rat solches unbemerkt lassen zu können, um einen Streit mit diesem gefährlichen Mann solange wie möglich zu vermeiden. Wie er aber im Jahre 1753 Anstalten machte, den gewachsenen Busch öffentlich schneiden und verkaufen zu lassen, da schien es dem Senat, daß er nicht länger schweigen dürfe, und er suchte das Recht der Stadt dadurch zu behaupten, daß er durch einige Bauern und Tagelöhner dieses Wied abschneiden und wegführen ließ. Kaum war dieses geschehen, als ein höchst lebhafter Streit über die Frage entstand, ob Hannover oder Bremen der natürliche Eigentümer dieser Sandbank sei. Eine Frage, die
1 Kurien hießen ursprünglich die oft mehrere Wohn- und Wirtschaftsgebäude umfassenden Höfe in der Altstadt, die sich im Besitz des Domkapitels oder einzelner Kanoniker befanden. Nach der Säkularisation blieb der Ausdruck als Bezeichnung für die bedeutenderen schwedischen bzw. hannoverschen Häuser (Königliche Kurien) gebräuchlich.
2 Die Halbinsel vor dem Arster und Habenhauser Weserdeich nahe dem sog. Korbhaus (wohl von Korb = Weidengeflecht) erhielt den Namen Korbinsel. Lange Zeit wurde sie auch Arster Streitsand genannt.
3 Wiedbusch: niedrige zähe Weide, aus deren Ruten Körbe geflochten wurden.
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