DER CLUB ZU BREMEN 1783 - 1983
Im Jahre 1783 wurde die Gesellschaft Museum, die sich 1931 mit der Bremer Gesellschaft von 1914 zum Club zu Bremen vereinigte, gegründet. Es war die Zeit, in der die Aufklärung überall in Europa spürbar wurde, in der die Schriften Voltaires und Rousseaus das geistige Leben ebenso bestimmten wie die beginnende industrielle Revolution und die von Adam Smith entwickelten Gedanken des wirtschaftlichen Individualismus. Es war die Zeit eines politischen und geistigen Umbruchs, der in der Französischen Revolution und der Lösung der jungen Vereinigten Staaten von England mehr als seine äußeren Zeichen fand. Überall in Europa bildeten sich Debattier- und Lesegesellschaften, wuchs das Interesse des Bürgertums an den Naturwissenschaften und den schönen Künsten.
In Bremen — damals eine Stadt mit 35 000 Einwohnern — war das nicht anders, wenngleich sich vieles hier in einem unter einer gestrengen Administration stehenden Bürgertum eher gemächlich und beschaulich entwickelte. Immerhin war schon um 1750 die bremische Deutsche Gesellschaft, ein Zusammenschluß von zumeist jungen Gelehrten, die sich der Pflege von Literatur und Dichtung widmeten, entstanden. Wenige Jahre später schaffte man Blechkästen an, in denen — sparsam wie man war — gemeinschaftlich erworbene literarische Werke kursierten. Es lag nahe, daß hieraus sowohl der Gedanke gemeinsamer Leseveranstaltungen als auch der Entschluß zum Aufbau einer Bibliothek entstanden. Dies war die eine Wurzel der späteren Gesellschaft Museum; die andere entwickelte sich aus dem in jenen Jahren, wie erwähnt, allenthalben wachsenden Interesse an den Naturwissenschaften und dem Wunsch, nicht nur einschlägige Literatur zu erwerben, sondern auch naturkundliche und physikalische Sammlungen aufzubauen. Vieles wurde zunächst improvisiert, bis die neuentstandene Physikalische Gesellschaft, in der die Historische Lesegesellschaft schon 1776 aufgegangen war, nach manchen Fehlschlägen 1783 schließlich die Form und den Inhalt gefunden hatte, durch die sie sich nachhaltig als lebensfähig erweisen sollte. Über die Klassenschranken, die für die Gewinnung von Mitgliedern nachteilig waren, setzte man sich hinweg; es herrschte eine rege wissenschaftliche Vortragstätigkeit, Bibliothek und Sammlungen wuchsen in beachtlicher Weise, aus der Physikalischen Gesellschaft wurde „Das Museum".
Die napoleonische Besetzung hatte man im neuen repräsentativen Domizil am Domshof/Ecke Schüsselkorb, in das man nach mehreren immer wieder zu klein gewordenen Vereinslokalen 1808 gezogen war, einigermaßen ungeschoren überstanden. Und doch wirkte der französische Einfluß nach, indem er in den folgenden dreißig Jahren die allmähliche Wandlung des „Museums" von einer vornehmlich wissenschaftlich orientierten und tätigen Institution in eine mehr und mehr das gesellschaftliche Leben pflegende Vereinigung einleitete. Diese Entwicklung verstärkte sich vor allem dadurch, daß die naturwissenschaftliche Forschung sich nicht nur erheblich ausweitete, sondern gleichzeitig auch zunehmend
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