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Bremer archäologische Blätter / Der Landesarchäologe
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Carl Christian v. Fick - Manfred Rech

Untersuchungen am Teerhof 1988-1991

/. Die Wehrmauer der Braut (1990) Von Anfang 1988 bis Ende 1990 wandte sich die Landesarchäologie in Bremen unter kommis­sarischer Amtsleitung von H.-Chr. Hoffmann verstärkt Baustellen im Altstadtbereich zu. So wurde auch derTeerhof überwacht, interessan­te Erkenntnisse konnten so nicht ausbleiben. Bei der Überwachung des Baugrubenaushu­bes für den Erweiterungsbau der Versiche­rungsbörse wurde im Sommer 1990 eine alte Wehrmauer festgestellt, vermessen und doku­mentiert (FICK).

1 Teerhofinsel. Wehrmauer der Braut.

Diese Mauer war im Tiefbereich noch auf einer Länge von 38 Metern erhalten geblieben (Abb. 1). Ursprünglich mag sie etwa 45 m lang gewesen sein. An einer Stelle konnte sogar noch die Gesamthöhe festgestellt werden. Sie betrug 4,5 m einschließlich eines noch erhalte­nen Wehrganges von 1,20 m, dem allerdings die Mauerkrone fehlte; als Endhöhe können 4,80-5,0 m angenommen werden. Die Mauer­stärke schwankte zwischen 1,50 und 1,60 m, wobei ab 2,50 m Höhe eine Verjüngung nach oben festgestellt wurde. Wie aus der Profilzeich­nung (Abb. 2) hervorgeht, war die Mauer an der Basis der natürlichen Insel gegründet, auf der sich der Brautturm befand; wie der Zeichnung weiterhin zu entnehmen ist, reichte die Ver- füllung der außen unmittbar angrenzenden Durchfahrt von der Kleinen in die Große Weser bis in Höhe des Wehrganges.

Als Baumaterial verwendete man klosterforma- tige Ziegel und Muschelkalkmörtel. Wegen des teilweise nicht standsicheren Untergrundes an einem natürlichen Ufer befand sich unter der Mauer ein Gründungsfundament aus 2 Lang­balken von 20 x 50 cm Durchmesser auf einem Pfahlrost von durchschnittlich 1,50 m langen Eichenspaltpfählen (Abb. 2). Die Mauer setzte darüber bei + 1,85 m über NN an.

Die Eichenpfähle waren gut erhalten und für ei­ne dendrochronologische Altersbestimmung geeignet. Die Altersbestimmung wurde von Dr. Leuschner in Göttingen vorgenommen. Da­nach ist der Bau dieser Mauer um das Jahr 1585 anzusetzen. Dieses Datum würde gut zu dem sonst Bekannten passen. So wurde die Braut als Zwingerturm 1531 fertiggestellt (SCHWARZWÄLDER 1975, 210).

In einem Kupferstich von Hogenberg, der die Ansicht Bremens etwa für die Jahre zwischen 1550 und 1564 zeigt, ist der Brautturm noch oh­ne Außenwerke und umgebende Mauer dar­gestellt (SCHWARZWÄLDER 1985,13); letztere muß demnach danach errichtet worden sein. Nach Südosten, also hinter der Mauer, wurde eine 1,60 m starke Schichtenfolge festgestellt, die nach der Errichtung der Mauer entstand und die sich durch sehr hohe Holzkohle- und Aschenanteile auszeichnete. Die Schichten wa­ren bis auf die Knochen von Schlachttieren ziemlich fundarm. Was die Datierung der Schichten anlangt, so fehlt bisher die Aufarbei­tung der geborgenen Keramik, so daß die Fra­ge, ob die Mauer jünger oder älter als die Fund­schichten ist, erst in fernerer Zukunft beantwor­tet werden kann. Als sicher kann gelten, daß es sich bei der Mauer um jenen äußeren Mauer­kranz handelt, der am Fuße des Brautwalles verläuft. Er ist einigermaßen genau eingezeich­net in verschiedenen Stichen und Gemälden des 17. Jahrh., so in der 1602 datierten Darstel­lung Bremens, die Jürgen Landwehr zuge­schrieben wird (Abb. 3) und die sich heute im Bremer Landesmuseum befindet (SCHWARZ­WÄLDER 1985,14-15).

Nach Südwesten, an der Durchfahrt in die We­ser (Pipe"), war auf der gesamten Länge der Mauerfront ein 0,5 m breites Sandsteinband

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