Geschichte des evangelisch - lutherischen Waisenhauses. 269
sorischer Verwalter der frommen Stiftungen, recht väterlich für das Waisenhaus gesorgt, die eingegangenen, aus 6000 Rthlr. sich erstreckenden Legate ihnen erhalten, und für seinen erlittenen Verlust nicht ohne Mühe andere 6000 Rthlr. erhielt, auch das Confe- renz-Zimmer verschönert, die Treppen neu überlegt und viele andere Bauten besorgt hatte, so waren dennoch die Baarschaften des Waisenhauses so erschöpft, daß man sich, nach vorheriger Zustimmung des Senats, genöthiget sah, am Sonntag Rogate 1817 eine außerordentliche Collecte in der Domkirche anzustellen, welche mit den Nachtragen 1812 Rthlr 65 Gr. einbrachte. Eine den Monat darauf veranstaltete Sammlung in allen Hau- fern für die reformirten Waisen brachte ebenfalls 1200 Rthlr. ein.
Am 18. Julius wurde der erste allgemeine Convent wieder im Waisenhause gehalten, und von den sich gemeldeten vaterlosen Kindern 17 ausgenommen. Bei dieser Gelegenheit zeigte Herr Gerhard Meyer an, daß ein Menschenfreund die 1000 Rthlr., wofür das dicht am Waisenhause auf dem DomShofe stehende Brüningische Haus zur Wohnung des Schulmeisters erkauft war, zum Geschenk gegeben habe. Wider die Absicht des gütigen Gebers, wurde es bald darauf bekannt, daß diese 1000 Rthlr. vom Herrn Gerh. Meyer selbst waren geschenket worden. Im Kirchen-Convente, den 28. December 1819, wurde, mit Zustimmung des Senats, laut eines Conclusi vom 28. Julius 1819, bekannt gemacht, daß das bisher aus 16 Mitgliedern bestandene Kollegium der Herren Diaconen noch mit acht neuen sollte vermehret werden. Der Vorschlag fand Beifall, und es wurden deren acht gewählt, von welchen sieben, bis auf einen, der sich anfangs weigerte, in das Kollegium zu treten, nachher aber in die Wahl willigte, am 4. Junius 1820 mit einer Rede vor dem Altare in der Domkirche eingeführt wurden. Seitdem bestehet dieses Kollegium aus 24 Mitgliedern, wovon jahrlich zwei Herren die Administration des Waisenhauses übernehmen. Einige kleine, den Umstanden nach nothwendig gewordene, Veränderungen verdienen hier keiner Erwähnung. Aber das verdienet bemerkt zu werden, daß seit dem 1. Mai 1817 die alte Ordnung im St. Petri-Waisenhause wieder hergestellt worden ist, daß Se- natus am 4. Sept. im Jahre 1819 eine jährliche öffentliche Sammlung durch die Stadt erlaubte, und daß die, seitdem die