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Die Bremer Papyri / von Ulrich Wilcken
Entstehung
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Wilcken:

daimonis und Apollonios hören, überrascht dieser Brief durch die herzliche Teilnahme, die er an der Erkrankung des Apollonios zeigt. Wohl unter dem Eindruck dieser Erkrankung bietet er ihm die Hand zur Versöhnung. Das dürfte etwa der Grundgedanke des Briefes sein. 48. Zu der Fürbitte Ka-fr' &pav vgl. 59, 3.

5052. Die fehlerhafte Verdoppelung des Personalpronomens findet sich hier sogar zwei­mal hintereinander, o-ou ctou und uoi ao\. Vgl. oben zu Z. 7.

52. Das getilgte '^orrasoua! ac zeigt, daß Diskäs ursprünglich hier schon mit dem Schluß beginnen wollte. Aber dann hat er sich entschlossen, ganz offen auf ihren Streit hinzuweisen, um ihm zu versichern, daß seine Gesundheit ihm viel höher stehe.

52 ff. Von '£[ir]ia[Ta]o;ai sind nur wenige Striche erhalten, aber sie passen zu dieser Lesung. Zum Verständnis dieses Satzes ist nötig, tTriorao-0-ai hier im Sinne von »meinen, glauben« zu nehmen. Diskäs hat soeben in Aussicht gestellt, daß er zu Apollonios kommen wolle. Dem stellt er die Meinung des Apollonios gegenüber, daß er wegen des Streites fern von ihm bleiben werde. Diese Worte erinnern an Flor. III 332, 5, wo Eudaimonis von Diskäs sagt: uh ixSExouevov aou thv irapovoiav, worauf die weiteren Hinweise auf den Rechtsstreit folgen. Diskäs hatte also damals den Besuch des Apollonios nicht abgewartet, war ihm also ferngeblieben. Nach Diskäs drehte es sich bei dem Streit um Unterpfänder. Vgl. hierzu meine Ausführungen zu Nr. 4 S. 23.

55f- Die Worte cbv thv o-coTxpi[av] c[o]un-poTHv (= irpdÖTHv) HyoCum 8 luauToü stellen eine mißglückte Konstruktion dar. Zum mindesten muß man sich statt irpcoTMv den not­wendigen Komparativ TTpo-rlpai/ 1 denken, von dem öSv (seil. tvexupcoiO abhängt. Das ließe sich hören, wenn er dabei geblieben wäre, den Satz mit HyoOnai zu schließen. Aber da ist ihm noch der Gedanke gekommen, auszudrücken, daß Apollonios' Wohlergehen ihm höher stehe als sein eigenes, und so hat er nachträglich (s. Apparat) nach einem großen Spatium noch fi IviauToO hinzugefügt, was nun ganz in der Luft schwebt. Meine obige Übersetzung ver­sucht die letzte Absicht des Diskäs auszudrücken. Jedenfalls will er mit diesem Satz jene Meinung des Apollonios in freundlicher Weise als irrig zurückweisen.

Nr. 62. Brief der Philia an Apollonios.

P. 62 (Bibl.). H. 7 cm. Br. 13 cm. Die Schrift (Recto, parallel der Paginabreite) ist eine mit feinen Strichen geschriebene Cursive. Auf Verso (parallel der Paginahöhe) ist die erste Zeile in einer der Kanzleischrift ähnlichen hohen, aufrechten Ovalschrift geschrieben, die zweite dagegen in rechtsgeneigter Cursive, beide wohl von derselben 2. Hand ge­schrieben (s. oben S. 29 zum Verso).

Der Anfang dieses Briefes der uns sonst unbekannten (J)iXia illustriert hübsch die damaligen »postalischen« Verhältnisse. Sie versichert, sooft sie Leute finde, die zum Apollonios reisen, die innere Notwendigkeit zu empfinden, ihm Grüße zu schicken. Bemerkenswert ist die Ausführung der Adresse auf Verso (s. oben), die an Nr. 6 und 7 erinnert. Man darf danach wohl annehmen, daß Philia zu einem vornehmen Hause gehörte. Vielleicht war ihr Vater oder ihr Mann ein höherer Beamter, der sein Büro hatte. Vgl. auch das Einrücken der Schrift von Z. 4 an (wie gleichfalls in Nr. 6 und 7 usw.).

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1 Vgl. irpoT^pav (nachher getilgt) Hyoöuai in Z. 17.