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Die ältere Geschichte der Stadt Bremerhaven / von Th. Sachau
Entstehung
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Die Entwicklung Bremerhavens von seiner Gründung usw. 121

lich aus dem Schlick hervor. - Diese Fähre war ein großer, für die Aufnahme von drei bis vier Fuhrwerken gewöhnlicher Größe gebauter Prahm, der an beiden Seiten der Geefte an einer Rampe anlegte, die auf Pfählen ruhte und mit starken Bohlen belegt war. Der Prahm wurde an einer starken, stramm über die Gerste gespannten Troste, die durch zwei an beiden Enden befindliche Blöcke lief, von zwei Fähr- knechten hinüber- und herübergezogen. Zugleich mit der Errichtung der großen Prahmfähre war aus dem Material der früheren zweiten Hospitalbaracke, die für die erkrankten holländischen Arbeiter errich­tet war, ein ziemlich geräumiges Fährhaus aufgebaut, etwa vier bis fünf Fuß unterhalb des Deiches, auf dem Wege zwischen dem Iantzen- schen Wohnhause und der Geefte. Hierin betrieben Eide Siebs, der zuletzt bei Iantzen wohnte, und ein gewisser Wiechmann, von dem wir sonst nichts weiter wissen, die neue Fähre bis Ultimo 1851. Die Erhebung des Fährgeldes, die der Aufsicht des Amtmanns unter­lag, brachte in den letzten drei Monaten nur 59 Th. G. 5O Gr. auf. Das Fährgeld war auf einen halben Groten für den Fußgänger fest­gesetzt. Mit dem Jahre 1852 wurde zum ersten Male die Fähre öffentlich verpachtet, und zwar an den Wirt Hinrich Schnibbe aus WulSdorf auf zwei Jahre zu 200 Th. G. jährlich bei einem Groten Fährgeld für den Fußgänger. Vom I. April 1854 übernahm Eide Siebs, der mittlerweile zwei Iabre bei der Vorhafenbaggerung tätig war, unter Bürgschaft des SchiffzimmermeifterS Cornelius die Pacht, die für Ausübung der Fähre und eine damit verbundene Pflastergeld­erhebung 520 Th. G. betrug. Im Februar 1855 zogen die Eltern des Pächters zum Sohne inö Fährhaus. Am 15. April verheiratete sich Siebs mit Fräulein Johanne Nehm aus Geeftendorf und führte die junge Frau in sein Heim. Im Laufe der Jahre wurde das Haus voll besetzt. Sechs Kinder wurden hier geboren. Im Erd- und Dach­geschoß mußten sie alle und das Dienstmädchen untergebracht werden. Im Fährhaus befand sich auch eine Gastwirtschaft, die besonders von den Torfschiffern und Führern kleinerer Fahrzeuge, die Kolonialwaren aus Bremen brachten, besucht wurde.

Dem Fährhaus gegenüber am jenseitigen Ufer, an der Stelle, wo sich heute die Dienstwohnung für den Vorstand des Wasserbau- amtes befindet, stand das hannöversche Zollhaus, in dem man für alle Waren, die man in Bremerhaven gekauft hatte, soweit sie zollpflich­tig waren, eine Abgabe zu entrichten hatte. Doch vielen gelang das Schmuggeln. Es war ja auch zu verlockend, im Hafenort die billigen Waren zu kaufen und dann unter dem Rock oder der Jacke oder sonst-