Vorwort
Am 9. August vorigen Jahres feierte die uns nahe liegende, hoch aus den Fluten der Nordsee ragende schöne Felseninsel Helgoland ihr hundertjähriges Bestehen als Seebad. Der verdienstvolle Gründer des Bades war der schlichte Schiffszimmermann Jacob Andresen Siemens. Auf diese Jahrhundertfeier folgt am 1. Mai dieses Jahres die hundertjährige Wiederkehr der Gründung Bremerhavens. Aus allen Gegenden Deutschlands, sowie auch aus dem damals noch englischen Helgoland erhielt es seine Ansiedler, unter denen der Helgo- länder Schiffszimmermann R. C. Rickmers, von dem Unternehmungsgeist seines Lehrmeisters Siemens erfaßt, hier sein Glück versuchte und es in reichem Maße fand. — Andere Städte haben ihre Iahrtausendfeier, wie in diesem Jahre Nordhausen am Harz. Was bedeutet demgegenüber die für das Leben einer Stadt kurze Spanne Zeit von hundert Jahren! Und doch, wenn wir zurückblicken auf die bedeutende Entwicklung, welche die Tochterstadt Bremens in ihren Hafenanlagen, in Handel und Schiffahrt, sowie in kultureller Beziehung in einem Jahrhundert erlebt hat, haben wir wohl Grund genug, den Tag ihrer Gründung besonders festlich zu begehen.
Da ich zweiundvierzig Jahre im Pfarramt an der hiesigen vereinigten evangelischen Gemeinde gestanden habe, mit den Interessen unserer Stadt ganz verwachsen bin und von jeher an ihrer Entwicklung lebendigen Anteil nahm, war eS mir schon lange ein Bedürfnis und zugleich eine Quelle der Freude, mich mit der älteren Geschichte Bremerhavens, die das größte Interesse darbietet, über die aber manche unserer Einwohner nur dürftig unterrichtet sind, zu beschäftigen. Das gesammelte Material ist nun anläßlich der Jahrhundertfeier zur Darstellung gekommen. Mein Buch: „Die ältere Geschichte der Stadt Bremerhaven" behandelt die Zeit von ihrer Gründung bis zur Durchführung der neuen Stadtverfassung Ende 1879. Vorangestellt ist eine kurze Vorgeschichte Bremerhavens und des ganzen Unterwesergebietes. — Nicht nur aus amtlichen Akten und in meine Geschichte einschlägigen Schriften, sondern auch aus dem Munde der ältesten Bürger, sowie aus schriftlich niedergelegten Erinnerungen habe ich den Stoff für meine Arbeit geschöpft. Zu dem umfassenderen Werke des historisch geschulten Studienrates Dr. Bessel,