Gründung und Entwickelung der Seefahrtschule in Bremen.
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Dieses war aber, zumal in jener kriegerischen Zeit, eine sehr bedenkliche Massnahme, da nach einem alten Vertrage zwischen Frankreich und den Hansestädten Schiffer, Steuermann, Bootsmann und Supercargo eines Schiffes mindestens drei Monate vor Beginn des Krieges das Bürgerrecht erworben haben mussten, wenn das Schiff vor der Wegnahme gesichert sein sollte.
Die Ursache, weshalb sich verhältnismässig so wenige junge Leute aus der Stadt Bremen um die Stellen als Schiffer und Steuerleute bewarben, lag hauptsächlich darin, dass die grosse Anzahl der nicht aus Bremen stammenden Schiffer in erster Linie ihre eigenen Söhne und die ihrer Verwandten als Schiffsjungen mitnahmen, und sie schon nach einigen Reisen als Steuermann ansetzten, ohne dass sich diese jungen Leute die für ihren Beruf nötigen Kenntnisse ijnd Fertigkeiten vorher angeeignet hatten. Als Steuermann sahen sie dem Kapitän die wenigen Kunstgriffe, mit deren Hülfe dieser sein Schiff navigierte, ab und hatten dann die beste Aussicht, bei etwa eintretender Vakanz Kapitän eines Schiffes zu werden. Hatte jemand ganz besonderen Eifer, so ging er auch wohl während eines kurzen Aufenthaltes an Land zu einem früheren Kapitän, von dem er — rein mechanisch — abgerichtet wurde, die nötigen Rechnungen auszuführen. Verständnis für diese Rechnungen hatte im allgemeinen weder Lehrer noch Schüler. Bei solch mangelhafter Bildung ist es nicht zu verwundern, dass viele Schiffsführer ihrem Amte nicht gewachsen waren, dass ihre Unkenntnis den Rhedern und Kaufleuten manchen herben Schaden zufügte, und dass diese schliesslich auf Mittel und Wege sannen, die Ausbildung der Steuerleute zu fördern.
Eine Besserung dieser Verhältnisse erhoffte man von der Gründung einer öffentlichen Schule, in der den jungen Seeleuten Gelegenheit gegeben würde, sich die nötigen Kenntnisse und Fertigkeiten, die jeder Steuermann besitzen musste, anzueignen. Besonders nahe gelegt wurde dieser Gedanke, als man bei der Ausrüstung der ersten Schiffe für eine Reise nach Indien keinen einzigen Steuermann finden konnte, der die astronomische Bestimmung der Länge verstand, so dass man gezwungen war, für diese Schiffe Steuerleute aus Holland kommen zu lassen.