15
Zur Geschichte der Auswanderung über Bremen - Entwicklungslinien und Forschungsprobleme
I.
Weit mehr als 7 Millionen Menschen haben sich im Laufe der letzten zwei Jahrhunderte in Bremen und Bremerhaven eingeschifft, um jenseits des Atlantiks eine neue Heimat zu suchen. Es waren nicht nur Deutsche, die über Bremen auswanderten, sondern in erheblichem Maße auch Ost- und Südosteuropäer; selbst Auswanderer aus der Schweiz und aus Skandinavien begannen ihre Überfahrt hier. Ihre Ziele lagen vor allem in Nordamerika, aber auch Australien und die südamerikanischen Länder nahmen viele der über Bremen Ausgewanderten auf. Die Geschichte der Auswandererbeförderung über die bremischen Häfen stellt damit einen wesentlichen Beitrag zur deutschen wie zur europäischen Auswanderungsgeschichte dar; über den engen regionalen, stadtgeschichtlichen Bezug hinaus hat sie weitergehende Bedeutung für die historische Migrationsforschung im allgemeinen und für die Untersuchung von Auswanderungsprozessen im besonderen.
Unter den verschiedenartigsten Wanderungsströmen, die seit dem 18. Jahrhundert innerhalb der deutschen Grenzen und über sie hinweg flössen, haben die überseeischen Auswanderungen das wissenschaftliche Interesse am stärksten angeregt, obwohl der zahlenmäßige Umfang jener anderen Wanderungen - der kontinentalen Auswanderungen, der Einwanderungen von ausländischen Arbeitskräften und Gastarbeitern, der Binnenwanderungen, der Zwangsumsiedlungen und Verschleppungen, der Vertreibungen und der Flüchtlingszüge - zusammengenommen weitaus größer und ihre soziale, ökonomische, kulturelle und politische Bedeutung keineswegs geringer gewesen ist.
War es in der zweiten Hälfte des 19- Jahrhunderts noch ein vorwiegend aktuelles Interesse, das Nationalökonomen und Statistiker bewegte, sich den überseeischen Auswanderungen, ihren Ursachen, ihrem Verlauf und ihren Konsequenzen für die Entwicklung von Handel und Wirtschaft zu widmen, so begann sich